Herausgeber: Röchling Stiftung / POLYPROBLEM Ausgabe: August 2026 Originalquelle: https://roechling-stiftung.de/wechsel-geld/ Lokale PDF: Polyproblem–Wechsel-Geld.pdf Umfang: 44 PDF-Seiten Status: Vollständige maschinelle Textextraktion aller PDF-Seiten (kein redaktionell geprüfter Volltext). Hinweis: Mehrspaltige Layouts, Tabellen, Fußnoten, Sonderzeichen und Grafiken können fehlerhaft bzw. unvollständig extrahiert werden. Die Original-PDF ist maßgeblich.

Inhaltsübersicht (Originalseite 2)

INHALT
 
DIE WÄHRUNG DER ZUKUNFT                                          3
Neues Wirtschaften mit alten Regeln?
Der Circular Economy gehört die Zukunft – aber nicht das Geld                                  4
LINEARES WIRTSCHAFTEN IST EIN GROSSES RISIKO
Nachhaltigkeitsfinanzexpertin Silke Stremlau ist ungeduldig und optimistisch zugleich                    8
DIE START-UPS                                                           12
Gut ist nicht genug
DIE NADELN IM HEUHAUFEN
Geduld ist gefragt, aber selten zu finden                                                 13
„WENN WIR ES JETZT NICHT ­MACHEN, MACHT ES NIEMAND“
Wie die Material-Pioniere von Traceless ans Geld für die erste Fabrik kamen                         14
START-UPS AUF NEUEN WEGEN
Finanzierung ohne klassische Finanzierer                                                16
PLASTIC FISCHER: Impact as a Service                                                 17
DENTTABS: Wirken am Abgrund                                                     18
WENN ZWÖLF PROZENT ZU WENIG SIND
Kommen Venture Capital und nachhaltiges Wachstum noch zusammen?                           19
DIE ETABLIERTEN UNTERNEHMEN                                     20
Das Alte soll das Neue finanzieren. Kann das funktionieren?
DER WEITE WEG ZUM ­NEUEN MEHRWERT
Business as usual könnte am teuersten werden                                            21
„WER UM SEINE AUSLASTUNG KÄMPFT, INVESTIERT VORSICHTIGER IN NEUE STRUKTUREN“
Fünf Fragen an Frank Stammer, Head Regulatory, ­Standardisation and Circular Economy bei TecPart         24
REZYKLATEINSATZ ALS CHEFSACHE
Der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann erkennt früh den Wert von PCR und Rezyklaten                 25
DIE FINANZIERER                                                        26
Neues Spiel mit alten Regeln
GEFANGEN IM TAL DES TODES
Die Diskrepanz zwischen zirkulären Geschäftsmodellen und dem Finanzsystem                       27
„DER GLAUBE AN DEN GRÜNEN BONUS IST NAIV“
Circularity-Investor Wolfgang Hafenmayer                                               30
ZIRKULARITÄT PASST NICHT IN DIE EXCEL-TABELLE
Wie klassische Risikobewertungen die Kreislaufwirtschaft ausbremsen                             32
ZIRKULÄRE FINANZIERUNG BRAUCHT ÖKOSYSTEME
Warum sich multilaterale Entwicklungsbanken nach wie vor schwertun                            34
 
DIE POLITIK                                                              36
Umweltpolitik war gestern
„WIR DÜRFEN NICHT ­IMMER DIE RICHTUNG ÄNDERN“
Im Gespräch mit Frans Timmermans, dem Architekten des European Green Deal                      37
Glossar                                                                      41
Links zu den genannten Organisationen und Personen                                   42
Interviews                                                                    42
Quellenverzeichnis                                                             43

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die finanziert WerWECHSEL Kreislaufwirtschaft?GELD


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INHALT

DIE WÄHRUNG DER ZUKUNFT 3 Neues Wirtschaften mit alten Regeln? Der Circular Economy gehört die Zukunft – aber nicht das Geld 4 LINEARES WIRTSCHAFTEN IST EIN GROSSES RISIKO Nachhaltigkeitsfinanzexpertin Silke Stremlau ist ungeduldig und optimistisch zugleich 8 DIE START-UPS 12 Gut ist nicht genug DIE NADELN IM HEUHAUFEN Geduld ist gefragt, aber selten zu finden 13 „WENN WIR ES JETZT NICHT ­MACHEN, MACHT ES NIEMAND“ Wie die Material-Pioniere von Traceless ans Geld für die erste Fabrik kamen 14 START-UPS AUF NEUEN WEGEN Finanzierung ohne klassische Finanzierer 16 PLASTIC FISCHER: Impact as a Service 17 DENTTABS: Wirken am Abgrund 18 WENN ZWÖLF PROZENT ZU WENIG SIND Kommen Venture Capital und nachhaltiges Wachstum noch zusammen? 19 DIE ETABLIERTEN UNTERNEHMEN 20 Das Alte soll das Neue finanzieren. Kann das funktionieren? DER WEITE WEG ZUM ­NEUEN MEHRWERT Business as usual könnte am teuersten werden 21 „WER UM SEINE AUSLASTUNG KÄMPFT, INVESTIERT VORSICHTIGER IN NEUE STRUKTUREN“ Fünf Fragen an Frank Stammer, Head Regulatory, ­Standardisation and Circular Economy bei TecPart 24 REZYKLATEINSATZ ALS CHEFSACHE Der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann erkennt früh den Wert von PCR und Rezyklaten 25 DIE FINANZIERER 26 Neues Spiel mit alten Regeln GEFANGEN IM TAL DES TODES Die Diskrepanz zwischen zirkulären Geschäftsmodellen und dem Finanzsystem 27 „DER GLAUBE AN DEN GRÜNEN BONUS IST NAIV“ Circularity-Investor Wolfgang Hafenmayer 30 ZIRKULARITÄT PASST NICHT IN DIE EXCEL-TABELLE Wie klassische Risikobewertungen die Kreislaufwirtschaft ausbremsen 32 ZIRKULÄRE FINANZIERUNG BRAUCHT ÖKOSYSTEME Warum sich multilaterale Entwicklungsbanken nach wie vor schwertun 34

DIE POLITIK 36 Umweltpolitik war gestern „WIR DÜRFEN NICHT ­IMMER DIE RICHTUNG ÄNDERN“ Im Gespräch mit Frans Timmermans, dem Architekten des European Green Deal 37 Glossar 41 Links zu den genannten Organisationen und Personen 42 Interviews 42 Quellenverzeichnis 43


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DIE WÄHRUNG DER ZUKUNFT

Geld ist nicht nur ein Zahlungsmittel. Es ist auch mehr Dass sich Kreislaufwirtschaft auch in der Bilanz aus- als bloß ein Ausdruck von Wohlstand und Macht. zahlt, und das nicht erst in ferner Zukunft, gilt inzwi- Immer wenn wir es ausgeben, investieren, anlegen und schen als belegt. Kein seriöser Ökonom zweifelt mehr verwalten, bestimmen wir damit – beabsichtigt oder an, dass die möglichst lange und vielfache Nutzung von nicht – über ein Stück Zukunft. Ressourcen nicht nur eine ökologische Notwendigkeit ist, sondern auch eine wirtschaftliche Überlebensfrage. Kapitalflüsse entscheiden darüber, welche Geschäfts- modelle eine Chance bekommen und welche als Trotzdem tun sich Investoren, die Finanzbranche und Power-Point-Präsentation enden. Sie beeinflussen die Akteure am Kapitalmarkt immer noch schwer mit maßgeblich, welche Innovationen sich am Markt durch- der Finanzierung des zirkulären Wandels. Woran liegt setzen. Sie können das Althergebrachte schützen oder das? Und wie lässt es sich ändern? das Disruptive vorantreiben. Kurz: Geld ist ein Gestaltungsinstrument. Um das zu verstehen, muss man tief in den Maschinen- raum blicken. Die gute Nachricht: Wer diesen Blick Die soziale, ökologische und wirtschaftliche Transfor- wagt, stößt nicht bloß auf ein schwer zu lösendes mation ist zunächst ein abstrakter Begriff. Erst Geld Henne-Ei-Problem, sondern auch auf mutige Pioniere macht den Wandel real. Das politische und gesell- des Wandels, auf kreative Lösungen und auf Beispiele schaftliche Bekenntnis zur Circular Economy fällt leicht, des Gelingens, die sich verbreiten und skalieren lassen. solange man die Frage ausblendet, was der Übergang vom linearen zum zirkulären Wirtschaften kostet. Erst Geld so zu lenken, dass zugleich wirtschaftliche, soziale an der Kasse kommt es zum Schwur. und ökologische Rendite entsteht: Das geht. Wenn der Mut die Verzagtheit besiegt.

Herausgeber In Kooperation mit: Redaktion & Text Röchling Stiftung GmbH Wider Sense GmbH Marius Ehrlinspiel, Anna Balzereit (alle Wider Sense), Richard-Wagner-Straße 9 Pfalzburger Str. 43-44 Uwe Amrhein, Nicole Bendsen, Christian Gerards 68165 Mannheim 10717 Berlin (alle Röchling Stiftung) +49 621 4402 232 +49 30 24088 240 info@roechling-stiftung.de info@widersense.org www.roechling-stiftung.de www.widersense.org

Fotos Gestaltung Adobe Stock, Phil Dera, Traceless, Jonas Walter, ds.DTP – Detlef Scholz Plastic Fischer, Denttabs, Jan Klinkhammer, TecPart, August 2026 Pöppelmann, Circle Economy, Anete Astorys, Handelsblatt Media Group/Foto Vogt GmbH, www.polyproblem.org IDB Invest, picture alliance/ANP

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Der Circular Economy gehört die Zukunft – aber nicht das Geld NEUES WIRTSCHAFTEN MIT ALTEN REGELN?

   Jedes Jahr werden in der Europäischen Union etwa 120 Milliarden Euro in die Kreislauf-
    wirtschaft investiert. Das klingt nach viel, ist es aber nicht. Denn um die eigenen Klima-
    schutzziele zu erfüllen, bräuchte die EU bis 2040 rund 1.229 Milliarden Euro mehr für
  den Wandel hin zu zirkulären Geschäftsmodellen.1 Woran liegt das?

    Das vorherrschende Wirtschaftsmodell basiert auf    anders ausgedrückt: Auf drei Dollar wirtschaftlicher
      einer einfachen Logik: Rohstoff entnehmen, Produkt    Wertschöpfung geht ein Dollar wieder verloren.5 Auf
       herstellen, wegwerfen. Diese Logik produziert seit fast    Deutschland bezogen werden die Kosten der entste-
   200 Jahren Gewinne, aber nur, weil ihre Folgekosten   henden Umwelt- und Gesundheitsschäden auf 13 bis
      nicht in den Bilanzen auftauchen und weitgehend von   19 Prozent des deutschen BIP geschätzt.6
     der Allgemeinheit getragen werden.
                                                        Die Kreislaufwirtschaft versucht, diese Logik umzukeh-
    Der globale Materialverbrauch wächst ungebremst wei-     ren. Ihr Kernprinzip: Materialien und Produkte sollen in
       ter und könnte bis 2060 um 60 Prozent gegenüber    höchstmöglicher Qualität über möglichst lange Zyklen
   2020 steigen.2 Während auch die globale Plastikpro-    im Wirtschaftskreislauf gehalten werden, durch Repara-
     duktion auf fast 460 Millionen Tonnen im Jahr 2024     tur, Wiederverwendung, Recycling und Neudesign. In
     angestiegen  ist, sinkt die Kunststoffproduktion in    Deutschland allein könnte sich durch einen konsequenten
     Europa und Deutschland langsam ab. In Europa ist die   Ausbau der Kreislaufwirtschaft die Bruttowertschöp-
     Produktion im Jahr 2024 auf fast 55 Millionen Tonnen    fung in diesem Sektor bis zum Jahr 2045 auf 125 Milliarden
     gesunken; davon entfallen mehr als 20 Prozent auf    Euro verdoppeln. Als Rohstoffimporteur würde Deutsch-
     Deutschland. Von der europäischen Produktion stamm-    land davon doppelt profitieren: Eine konsequente Kreis-
     ten 2024 nahezu 80 Prozent aus fossilen Rohstoffen.3      laufwirtschaft reduziert geopolitische Abhängigkeiten
                                                  und stabilisiert damit Wertschöpfungsketten und die
     Die Politökonomin und Transformationsforscherin Maja    internationale Wettbewerbsfähigkeit.7
    Göpel bringt das grundlegende Problem in ihrem Buch
     „Werte. Ein Kompass für die Zukunft“ auf den Punkt.4   Warum fließt das Kapital nicht?
    Dabei sind auch die ökonomischen Schäden enorm:
    Der jährliche Wertverlust durch das lineare Wirt-   Wenn alle Wirtschaftsdaten darauf hinweisen, dass die
     schaftssystem beläuft sich laut Untersuchungen des     Circular Economy nicht mehr nur eine ökologische Not-
      niederländischen Think-Tanks Circle Economy auf welt-    wendigkeit, sondern auch das wirtschaftlich tragfähi-
     weit 25,4 Billionen Euro. Das entspricht rund 31 Pro-    gere Modell ist – weshalb fließen dann nicht viel massi-
     zent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), oder    vere Investitionen in den zirkulären Wandel?

     1   European Investment Bank (2026), S. 8                    5    Circle Economy (2026), S. 6
     2  UNEP (2024), S. xiv                                   6   Göpel (2025), S. 166f.
     3    Plastics Europe (2026), S. 30f.                           7   Boston Consulting Group im Auftrag des Bundesverbands

4 4 Göpel (2025), S. 159 der Deutschen Industrie (2026), S. 2f.


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Ein Report der vom Bundesentwicklungsministerium einmal fünf Prozent der Kapitalgeber die Kreislaufwirt- (BMZ) initiierten Multi-Akteurspartnerschaft PREVENT schaft als expliziten Investitionsfokus.13 Waste Alliance beantwortet die Frage so: „Investoren sind der Ansicht, dass Vorschriften und Marktpraktiken Wer spielt welche Rolle? die negativen externen Effekte linearer Modelle nicht angemessen erfassen und ‚bepreisen‘. Trotz dieses Um zu verstehen, warum die Finanzierungslücke so Bewusstseins zeigen sie nach wie vor wenig Vertrauen hartnäckig ist, lohnt ein Blick auf die Akteursgruppen, in Investitionen in Modelle der Kreislaufwirtschaft, was die über das Tempo der Transformation entscheiden. häufig auf wahrgenommene Unsicherheiten oder Her- ausforderungen im Zusammenhang mit der Skalierung ᴥDIE START-UPS: und dem aktuellen makroökonomischen Umfeld Pioniere ohne Sicherheitsnetz zurückzuführen ist.“8 Deutlicher ausgedrückt: In der gegenwärtigen linearen Finanzierungslogik wird von Start-ups sind die Labore der Nachhaltigkeit und der Investoren häufig derjenige bestraft, der einpreist, was Kreislaufwirtschaft. Sie entwickeln neue Materialien, andere auslagern. Rücknahmesysteme, Plattformen für Wiederver- wendung, Reparaturinfrastruktur. Ihr Problem ist ein Zusätzlich bringen zirkuläre Geschäftsmodelle andere Finanzierungsumfeld, das strukturell nicht auf sie Wertschöpfungs- und Gewinnlogiken mit sich. Wert ent- ausgerichtet ist. steht etwa in der Produktnutzung als Dienstleistung oder in Sharing-Modellen nicht durch einmaligen Verkauf, son- Das zeigt sich vielfach in der kritischen Phase zwi- dern durch wiederholte Nutzungszyklen.9 Solche schen der erfolgreichen Inkubation und der Skalie- Modelle sind etwa auf funktionierende Rücknahmesys- rung auf industriellen Maßstab. Diese jungen Unter- teme und Sekundärmärkte angewiesen.10 Auch regulato- nehmen sind zu groß für Mikrokredite und rische Planungssicherheit fehlt in den meisten Sektoren. Kleinzuschüsse, zu klein und vermeintlich zu riskant Dies wiederum kann den Zeitraum, bis ein Investment für institutionelle Investoren.14 Das Ergebnis ist in sich rentiert, verlängern.11 Klassische Finanzierungsinst- einer Umfrage ernüchternd: Bei 60 Prozent der rumente sind auf diese Realität nicht ausgerichtet. befragten Kreislaufwirtschafts-Start-ups wurden in den vergangenen zwei Jahren Finanzierungsanträge Das zeigt sich in den Investitionsentscheidungen: Zwi- und -anfragen abgelehnt.15 Als häufigste Ablehnungs- schen 2018 und 2023 flossen lediglich zwei Prozent gründe nennen sie unzureichende Sicherheiten, des globalen kommerziellen Investments in die Kreis- fehlende Impact-Passung zum Geldgeber – und laufwirtschaft. Dabei erreichten die Kapitalanlagen aus unklare Businesspläne.16 Das letzte mag wie ein Vor- privatwirtschaftlichen Quellen 2021 ihren Höhepunkt, wurf an die Gründenden klingen. Es ist aber auch während das staatliche Investment auf einem geringe- ein Hinweis auf strukturelle Inkompatibilität: Die ren Niveau stabil bleibt.12 Laut einer Analyse von mehr Bewertungslogiken der Geldgeber sind auf lineare als 1.200 Finanzinstitutionen weltweit haben gerade Geschäftsmodelle kalibriert, nicht auf zirkuläre.

8 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 25 13 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 22 9 Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 35 14 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 21 10 Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 35 15 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 15 11 PREVENT Waste Alliance (2024), S. 26 16 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 16 12 Circle Economy (2025), S. 22f. 5


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ᴥDIE ETABLIERTEN UNTERNEHMEN: Produktionsanlagen, Recyclinganlagen, Rücknahme- Die Bremse sitzt im System systeme, Sortierinfrastruktur und mehr.

       Für etablierte Unternehmen ist die Ausgangslage        In einer Studie der PREVENT Waste Alliance spricht
        paradox: Sie haben die Ressourcen, die Infrastruktur       ein Investor aus, was nötig wäre: „Wir müssen
      und den Marktzugang, um Kreislaufwirtschaft in       anfangen, über die Finanzierung des Systems nach-
      großem Maßstab umzusetzen, aber gleichzeitig die      zudenken, anstatt einzelne Akteure innerhalb des
         stärksten Anreize, es nicht zu tun.                      Systems zu finanzieren.“22

     Denn zirkuläre Geschäftsmodelle verändern nicht      Auch Banken sind strukturell schlecht auf zirkuläre
        nur Produkte, sondern auch Bilanzen. Wer umstellt      Geschäftsmodelle vorbereitet, obwohl sie die wich-
      und Produkte verleiht statt verkauft oder wer auf       tigsten Geldgeber für etablierte Unternehmen sind.
      Rücknahme und Wiederaufbereitung setzt, braucht       Lediglich 13 Prozent der im PREVENT-Report
         Vorabinvestitionen, bevor die neuen Ertragslogiken       befragten privaten Kreislaufwirtschaftsunternehmen
           greifen.17 Das steht im Widerspruch zu einem System,      nutzen Bankdarlehen als Finanzierungsquelle, vergli-
       das Gewinne jedes Quartal messen möchte. Dabei      chen mit 46 Prozent der kleinen und mittelständischen
         zeigen die Vorreiter, dass es sich lohnt. Der französi-      Unternehmen (KMU) in Europa.23
        sche Autohersteller Renault bietet wiederaufbereitete
          Ersatzteile zu 30 bis 50 Prozent unter Neupreis an.         Einzelne Pioniere zeigen indes, was möglich  ist,
                                                 wenn Banken aktiv eine eigene Kreislaufwirtschafts-
  ᴥDIE FINANZIERER:                                     Expertise aufbauen. Die Rabobank hat über ihren
      Das Potenzial ist erkannt,                                 „Circular Entrepreneurship Desk“ 270 Millionen
         die Strukturen nicht angepasst                       Euro in Kreislaufunternehmen vergeben. Intesa
                                                                   ­Sanpaolo stellte 2023 allein 11,7 Milliarden Euro für
       Die Zahlen klingen zunächst ermutigend: Die Zahl        zirkuläre Projekte bereit – bewertet nach einer eigenen
          privater Fonds mit Kreislaufwirtschaftsfokus hat sich       Kreislaufwirtschafts-Methodik, entwickelt gemeinsam
      von 2016 bis Mitte 2020 verzehnfacht.18 Zeitweise       mit der Ellen MacArthur Foundation.24
      haben Fonds mit Kreislaufbezug ihre Mitbewerber
       im Schnitt um fünf Prozentpunkte übertroffen.19     ᴥDIE POLITIK:
                                               Ohne neue Spielregeln bewegt sich wenig
       Dennoch: Der ausschließliche Kreislaufwirtschaftsfo-
        kus ist rar in der Venture-Capital-Welt.20 Risiko­kapital        Politische Regeln können die Bedingungen herstellen,
             ist auf schnelles Wachstum, skalierbare Geschäfts-       unter denen Kapital fließt oder ausbleibt. Und sie
        modelle und klar definierte Exits ausgerichtet. Viele      können die versteckten Kosten linearer Modelle
        Venture-Capital-Investoren bevorzugen deshalb       sichtbar machen.
        „Asset-Light-Modelle“, also Geschäftsmodelle, die
       wenig Investition in physische Infrastruktur benöti-       Drei Instrumente sind entscheidend. Erstens Regu-
        gen, wie etwa digitale Marktplätze oder lizenz­       lierung als Investitionssignal: Klare Regeln, wie bei-
         basierte Geschäftsmodelle.21 Infrastruktur ist jedoch       spielsweise die EU-Verpackungsverordnung (PPWR),
         für funktionierende Kreislaufsysteme unerlässlich:       schaffen jene Planungssicherheit, die Banken, ­Investoren

     17  Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 35                  21 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 25
     18  Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 32                  22 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 28
     19  Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 15                  23 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 12

6 20 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 22ff. 24 PREVENT Waste Alliance (2025), S. 27


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und Unternehmen brauchen, um langfristig zu inves- Was dieser Report betrachtet tieren. Zweitens die Bepreisung von Externalitäten: Solange Primärrohstoffe günstiger sind als ihre öko- Diese vier Akteursgruppen – Start-ups, transformie- logischen Folgekosten vermuten lassen, kämpft die rende Unternehmen, Kapitalgeber und Politik – nimmt Kreislaufwirtschaft gegen einen künstlich verbilligten dieser POLYPROBLEM Report in den folgenden Kapiteln Wettbewerber. Drittens gemischte Finanzierung aus unter die Lupe. Wir haben mit ihnen über Finanzierungs- öffentlichen und privaten Mitteln.25 hürden und -erfolge gesprochen – und darüber, unter welchen Bedingungen Kapital in andere Richtungen flie- Transformationsexpertin Maja Göpel appelliert: ßen würde. „Raus aus dem Schimpfen und gegenseitigen Miss- trauen zwischen Politik und Wirtschaft und rein in Denn die gute Nachricht lautet: Das Kapital ist eigent- das Weiterentwickeln effektiver Spielregeln.“26 lich vorhanden. Was fehlt, sind die richtigen Spielregeln, Investitionen fließen, wenn Geldgeber darauf ver- die richtigen Instrumente und ein gemeinsames Ver- trauen können, dass sie sich lohnen. Dieses Ver- ständnis dafür, was wir verlieren, wenn wir nichts tun. trauen schafft kein Markt von allein.

25 Ellen MacArthur Foundation (2020), S. 32f. 26 Göpel (2025), S. 177

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Nachhaltigkeitsfinanzexpertin Silke Stremlau ist ungeduldig und optimistisch zugleich LINEARES WIRTSCHAFTEN IST EIN GROSSES RISIKO

   Für Nachhaltigkeitsfinanzexpertin Silke Stremlau sind zirkuläre Geschäftsmodelle längst
    die wirtschaftlich sinnvollere Antwort auf Ressourcenknappheit und geopolitische Risiken.
 Warum das eigentliche Risiko heute nicht in der Transformation, sondern im Festhalten
 am Status quo liegt, erklärt sie im Interview.

     Frau Stremlau, wann wird die Kreislaufwirtschaft für       Ein Grund: Viele verbinden momentan soziale und öko-
      Finanzierer attraktiver als lineare Geschäftsmodelle?       logische Normen vor allem mit Berichtspflichten und
                                                                 Bürokratie. Dazu kamen Corona und der Ukraine-Krieg.
      Sie ist es jetzt schon. Lineare und damit nicht nachhal-
                                                       Die EU-Kommission hat dann gesagt, wir specken ab
       tige Geschäftsmodelle haben sich auch aus einer rein
                                                  und dabei sich als erstes die vermeintliche Nachhaltig-
      wirtschaftlichen Perspektive zu einem Risiko entwickelt
                                                                keitsbürokratie vorgenommen. Das finde ich erschre-
    – zumindest mittel- bis langfristig. Wer will noch über-
                                                            ckend, denn Unternehmen leiden unter einer Vielzahl
     zeugt in die Entwicklung von Produkten investieren, die
                                                   von Regelungen, die man zuerst hätte vereinfachen
    enorme Ressourcen unwiederbringlich verbrauchen –
                                                         können.
    und das in einer Zeit, in der wir alle die Abhängigkeit von
    den Lieferanten dieser Ressourcen schmerzhaft spüren?
                                                Haben Banken und institutionelle Anleger einen
                                                                ­kompletten Rollback hingelegt?
      Schlägt diese Erkenntnis schon auf den Finanzmarkt
     durch? Welche Veränderungen haben Sie in den ver-      Nein. Und das ist der gute Teil der Nachricht. Banken
    gangenen Jahren wahrgenommen?                   und Versicherungen haben erkannt, dass Risiken im
                                                                    Klima-, Umwelt- und Kreislaufbereich auch starke finan-
      Leider noch nicht konsequent genug. Wir sehen Wel-
                                                                               zielle Risiken darstellen. Naturkatastrophen vernichten
     lenbewegungen. Es gab immer wieder Phasen, in denen
                                                      Vermögenswerte. Banken bauen das in ihr Risikoma-
      ich gedacht habe, jetzt haben alle Akteure am Finanz-
                                                   nagement ein. Das wird nicht mehr weggehen. Aber
     markt das Thema Nachhaltigkeit verstanden.
                                                    gemessen an dem, was bei der Finanzierung nachhalti-
                                                              ger Geschäftsmodelle möglich und nötig wäre, sind wir
     Die Zeit nach der Finanzkrise von 2008 war so ein erster
                                                         heute vielleicht auf Stufe drei oder vier von zehn.
     Aufschwung. Dann ging es wieder abwärts, und es gab
     im Jahr 2015 mit der VW-Dieselkrise und der Enzyklika
                                           Warum haben es zirkuläre Geschäftsmodelle
     des Papstes „Laudato si‘“ wieder ein Aufwachen. Dann
                                                                    trotz des Erkenntnisgewinns noch immer schwer,
     ging es wieder runter. 2018 kam der Sustainable
                                                      an Kapital zu kommen?
     Finance Action Plan der Europäischen Kommission.
    Damit wurde klar erkannt: Der Finanzmarkt hat eine   Das hat unterschiedliche Gründe. Ein großes Thema ist
     Hebelfunktion. Man muss ihn stärker nutzen, um Geld     Risikokapital, gerade für Scale-Ups, also Unternehmen,
       in nachhaltige Investitionen zu bringen. Das hat zu    die nach einer erfolgreichen Startphase wachsen wollen.
    einem starken Hype geführt. Gerade erleben wir eher   Da gibt es in Deutschland eine große Lücke. Institutio-
     wieder einen Rückschlag.                                     nelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen
                                                        dürfen nur begrenzt in Risikokapital investieren. Sie

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müssen Sicherheit für ihre Anlagen gewährleisten und Möglichkeit wäre beispielsweise eine Mehrwertsteuer- legen eher konservativ an. In der Niedrigzinsphase senkung für zirkuläre Produkte. Finanzierung und Ver- wurde mehr ausprobiert. Jetzt gibt es wieder gute Ren- besserung der Marktbedingungen müssen Hand in diten bei Staatsanleihen, und damit begnügen sich Hand gehen. viele. In den USA kommen etwa sechs Prozent des Risi- kokapitals (Venture Capital) von Pensionskassen, in Bei erneuerbaren Energien hat man gesehen, wie das Deutschland sind es lediglich 0,2 Prozent. Das ist ein funktioniert: Am Anfang stand Risikokapital, dann kam massiver Unterschied. politische Unterstützung in Form des Gesetzes zur Förderung der erneuerbaren Energien (EEG) mit festen Auf der Bankenseite sieht es ähnlich aus. Banken finan- Einspeisevergütungen. Und jetzt trägt es sich nahezu zieren lieber Geschäftsmodelle mit stabilen Geldflüssen selbst. Sobald sich Dinge rechnen, kommt das Kapital. und Rückzahlungen (Cashflows). Bei innovativen, zirkulä- ren Modellen besteht die Gefahr von Ausfällen. Wenn Und wir dürfen nie vergessen: Lineare Produkte und ein großes Unternehmen sein Geschäftsmodell umstellt Dienstleistungen sind heute nur deshalb scheinbar und das gut darstellen kann, bekommt es Kapital. Aber noch wirtschaftlicher als zirkuläre Alternativen, weil die überall dort, wo Risikokapital nötig ist, ist es schwierig. Gesellschaft die Folgekosten dafür trägt.

Wird nachhaltiges wirtschaftliches Handeln Wird Transformation ausreichend politisch ausreichend angereizt? ganzheitlich gedacht?

Nein, das ist ein zentraler Punkt. Unternehmen, die in Nein, das ist schwierig. Es gibt viele Akteure: Ministerien, diesen Bereich gehen, haben oft hohe Anfangsinvestiti- Aufsichtsbehörden, EU-Kommission. Jeder hat eine onen. Diese zu stemmen, verlangt nicht unbedingt eigene Logik. Die Aufsicht sagt: Unser Auftrag ist nach Subventionen, aber nach Anreizen. So ist zum Finanzstabilität. Sie schaut auf Risiken, nicht auf Chan- Beispiel die Anlageverordnung für Pensionskassen cen. Das Chancenthema liegt woanders, etwa im Wirt- geändert worden, damit mehr in Infrastruktur oder schaftsministerium oder Kanzleramt. Und das Thema Risikokapital investiert werden kann. Aber die Umset- Kreislaufwirtschaft liegt wiederum beim Umweltminis- zung stockt. Man müsste größere Spielräume schaffen, terium, und das dringt unter der aktuellen Regierung ohne die Sicherheit der Investoren zu gefährden. nicht durch Richtung Kanzleramt und Wirtschafts­ Gleichzeitig sind Anlagen wie Staatsanleihen regulato- ministerium. Diese unterschiedlichen Perspektiven und risch bevorzugt. Es gibt Stellschrauben, um Transfor- auch Silos zwischen den Ministerien werden nicht aus- mationsfinanzierung, also auch Investitionen in die reichend zusammengeführt. Integriertes Handeln ist ­Circular Economy durch Regulatorik zu erleichtern. die große politische Herausforderung bei der ökologi- Aber das passiert noch nicht in ausreichendem Maße. schen und sozialen Transformation.

Was ist entscheidender für institutionelle Investoren Welche Rolle spielt der Staat bei der Finanzierung? und Banken: Regulierung oder Risiko-Rendite-Denken? Der Staat sollte dort reingehen, wo es noch keinen posi- Beides. Das Verhältnis von Risiko und Rendite muss tiven Cashflow gibt. Und er sollte sich zurückziehen, wo passen. Viele nachhaltige Geschäftsmodelle erfüllen Rendite möglich ist. Wichtig wären Garantien und Bürg- dieses Profil aus Sicht der Investoren noch nicht. Des- schaften, um privates Kapital zu mobilisieren. Genau da halb braucht es bessere Rahmenbedingungen. Man kommt Blended Finance – also die gemeinsame Finan- muss, gerade in den Frühphasen, Vergünstigungen zierung aus staatlichen und privaten Quellen – ins Spiel: schaffen, damit sich das schneller rechnet. Eine einfache Der Staat geht mit Garantien, Bürgschaften oder First-

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Loss-Tranchen rein, damit privates Kapital überhaupt Kompetenzaufbau in den Finanzinstituten fördern, investiert wird. Das kann gerade in der frühen Phase damit sie verstehen, da ist ein Geschäftsmodell, das ist von Transformation ein wichtiger Hebel sein. Die ein Zukunftsthema, hier suchen wir verstärkt nach 90-10-Regel ist sinnvoll zu verstehen: 90 Prozent der Kunden für Firmenkredite. Es gibt Banken, die haben Transformationsfinanzierungen stammen aus privater Nachhaltigkeitsindikatoren schon in der Steuerung und Hand, also von Unternehmen oder Investoren, nur zehn setzen unter anderem auf Wachstum über Green Prozent kommen vom Staat. Oft wird so getan, als Bonds und erneuerbare Energien. Wenn solche Ziele müsse der Staat alles finanzieren, das stimmt nicht. Hand in Hand mit Kompetenzaufbau gehen, folgt das Kreditwachstum auf dem Fuße. Was würde das konkret für die Kreislaufwirtschaft bedeuten? Was bringt denn die Liste der grünen Kredite für die Bank, außer einem Reputationsgewinn? Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr nur die Abfallentsor- gungs- und Recyclingindustrie. Sie zahlt auf unsere Weniger Risiko, weil die Unternehmen, die in zukunfts- Re­silienz, Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit fähigen Branchen unterwegs sind und einen grünen ein. Deswegen müssen wir ein originäres wirtschaftli- Kredit bekommen, in der Zukunft bessere Zahlungsfä- ches und sicherheitspolitisches Interesse daran haben. higkeit haben werden. Sie haben ein Geschäftsmodell, Und genau das könnte man stärker in den Deutschland- das zukunftsfähig ist. Es geht bei sogenannten grünen fonds integrieren – über die Kreditanstalt für Wieder- Krediten um viel mehr als Reputation. aufbau (KfW). Im Moment liegt der Fokus stark auf Wärmewende und Klima. Das Thema Kreislaufwirt- Das Risiko bei nachhaltigen Investitionen schaft müsste dort viel stärker mitgedacht werden. Das wird also oft falsch eingeschätzt? wäre wichtig, ist aber bislang meiner Ansicht nach noch Richtig. Es gilt noch die Annahme, dass grüne Investiti- nicht wirklich angedacht. Entscheidend ist Planungssi- onen riskanter sind. Dabei zeigen viele Daten, dass sie cherheit. Klare Leitlinien, ein Zielbild für die nächsten kein höheres Ausfallrisiko und oft ein besseres Risiko- zehn bis 20 Jahre. Dann kann ich als Unternehmerin Rendite-Verhältnis haben – auch auf dem Aktienmarkt. sagen: Okay, jetzt investiere ich in die Transformation. Wenn man in den vergangenen Jahren in nachhaltige Aktien investiert hat, hat man mit einer hohen Wahr- Warum wird die EU-Taxonomie bisher wenig genutzt? scheinlichkeit keinen Renditenachteil und mit einer Man hatte sich erhofft, dass es durch die Taxonomie- geringen Wahrscheinlichkeit sogar eine Outperfor- Kriterien eine Erleichterung, z. B. für Investitionen in mance. Langfristig sind zirkuläre Geschäftsmodelle sta- die Circular Economy, gibt. Doch die Taxonomie ist zu biler, gerade mit Blick auf geopolitische Risiken. komplex. Sie beschreibt den Goldstandard für nachhal- tige Wirtschaftsaktivitäten, also einen kleinen Teil der Warum setzt sich dieses Verständnis nur langsam durch? Wirtschaft, aber nicht die breite Masse. Dadurch hat Mit dieser Frage kämpfe ich seit 25 Jahren. Ich habe die sie keine echte Steuerungsfunktion. Banken erheben Hoffnung noch nicht aufgegeben. Bei aller Ungeduld: die Daten, nutzen sie aber kaum aktiv. Ich hätte eher Es gibt Fortschritte in Banken und Unternehmen, definiert, was nicht nachhaltig ist, und das regulatorisch getrieben durch die Regulatorik, aber auch fundiert stärker gewichtet. Da müssten die Banken, wenn sie so durch die Erkenntnis, dass wir zwangsläufig in eine etwas noch finanzieren, viel mehr Eigenkapital dafür wärmere und riskantere Welt kommen. Aber viele Pro- verwenden, weil Risiken darin stecken. zesse brauchen Zeit. Oft fehlt Vertrauen und Offen- heit, auch über Zielkonflikte zu sprechen. Transforma- Ein zweites Nadelöhr ist, dass die meisten Banker keine tion ist kein linearer Prozess. Ahnung von Kreislaufwirtschaft haben. Man muss viel

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Und warum werden externe Kosten nicht stärker die andere Sprache mühsam aneignen müssen. Es ist internalisiert? sehr wichtig, eine sehr klare Sprache zu sprechen, um in beiden Welten verständlich zu sein. Genau das wollen Das ist hochgradig irrational. Das sieht man am Beispiel wir bei Finance for Transition erreichen: Brückenbauerin des CO2-Preises. Erst wird es als hervorragendes Markt- zwischen Unternehmen der Realwirtschaft, die Kapital instrument gewertet, und wenn es dann weh tut, fangen für ihre Transformation benötigen, und Investoren sein. diejenigen an, dagegen zu arbeiten, die bisher zu wenig Und hier aktiv zu vermitteln. für ihre Dekarbonisierung getan haben. Ich glaube, dass die Angst vor den Folgen eines regulatorischen Eingriffs Und: Ich konzentriere mich auf das, was funktioniert. und damit die Angst vor dem Wähler antizipiert wird und Ich glaube, dass wir Menschen diese einzigartige Gabe nicht real belegt ist. Seit dem großen Kommunikations- dazu haben. Die Welt, die ich mir vorstelle, ist eine bes- fehler beim sogenannten Heizungsgesetz hat jeder, der sere und gesündere. Ein gutes Leben für alle als Maß- politisch handelt, Angst, abgestraft zu werden. Deshalb gabe. Es gibt aber gerade weltweit Rückschläge auf geht Politik leider auch viel zu wenig das an, was sich diesem Weg, und wir brauchen Zeit, Geduld und neue erst mittel- oder langfristig auszahlt. Formen der Kooperation bis wieder mehr gemeinsame Kraft für die Umsetzung da ist. Zwei Schritte vor, einer Die Finanzwelt und die Nachhaltigkeitswelt scheinen zurück, das gehört dazu. unterschiedliche Sprachen zu sprechen. Wie gehen Sie persönlich mit dieser Spannung um?

Ich bin von Haus aus Sozialwissenschaftlerin und komme eher aus der Nachhaltigkeitsszene. Ich habe mir

                                                            Silke Stremlau engagiert sich seit mehr als
                                           30 Jahren für einen nachhaltigen Finanz-
                                                   markt und eine sozial-ökologische Transfor-
                                                    mation der Wirtschaft. Sie war Vorsitzende
                                                    des Sustainable Finance-Beirats der Bundes­
                                                         regierung und ist aktuell Mitglied des Praxis-
                                                              beirats Sustainable Finance. Seit 2026 ist sie
                                                         Geschäftsführerin von „Finance for Transition
                                             – F4T“, einem von ihr gegründeten Think-and-
                                               Do-Tank für Transformations­finanzierung.
                                         Zudem sitzt sie in den Aufsichtsräten der
                                         NORD/LB und der Umweltbank.

                                                                                       1111

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genug nicht ist START-UPSGutDIE

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Geduld ist gefragt, aber selten zu finden DIE NADELN IM HEUHAUFEN

Wer ein Start-up gründet, braucht dringend Geld. Als Kapitalgeber in ein Start-up zu inves- tieren, ist dagegen risikoreich und ohne Erfolgsgarantie. An dieser Stelle springen klassi- scherweise Venture Capitalists (VCs) – also Risikokapitalgeber – ein. Die Idee für das Gesamtportfolio: viel Risiko, aber die Chance auf eine hohe und schnell realisierbare Rendite.

Das heißt, der einzelne Erfolgsfall muss den Verlust der Capital-Logiken passen kaum: Sie suchen getreu dem nicht erfolgreichen Start-ups ausgleichen und entspre- Asset-Light-Modell nach Plattformgeschäften mit hohen chend viel Gewinn erzeugen. Kreislaufwirtschafts- Wachstumsraten, nach den berühmten „Einhörnern“ Start-ups brauchen dafür in der Regel mehr Infrastruk- unter den Start-ups. Diese sind im Start-up-Kosmos die tur und längere Amortisationszeiträume als andere jungen Unternehmen, die schnell einen hohen Markt- Branchen.27 Aus Sicht der Kapitalgeber also hohes wert erreichen, häufig im Online- oder Tech-Bereich.28 Risiko bei gleichzeitig langsamer und niedrigerer Renditeerwartung. Im Bereich der Kreislaufwirtschaft sei dies jedoch die Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“, wie Kuschel Oliver Kuschel, Geschäftsführer und Co-Gründer der meint: „Für Impact-Start-ups ist das Tal des Todes tiefer gemeinnützigen Duisburger Start-up-Beratung Anthropia, und breiter.“ Das bedeutet schlicht, dass der Zeitraum kennt diese Finanzierungsherausforderung aus zahl­ der Betriebsaufnahme des Start-ups und die ersten reichen Beratungsprozessen. Finanzierung sei in unter- Umsätze weiter auseinanderliegen.29 Deshalb benötige schiedlichen Phasen der jungen Unternehmen eines es Patient Capital – geduldiges Kapital. „Das sind Leute, der zentralsten Themen. Die Hürden sind dabei struk- die sagen, Verzinsung ist für mich nicht so wichtig wie turell: Impact-Start-ups operieren in Märkten, die häufig die Wirkung, die erzielt wird“, berichtet Kuschel.30 Doch erst durch gesetzliche Vorgaben entstehen und die so genau dieses Kapital ist für Impact-Start-ups gleicher- lange volatil bleiben, wie Nachhaltigkeit keinen konsis- maßen schwer zu finden wie „Einhörner” für VCs am tenten rechtlichen Rahmen hat. Klassische Venture- deutschen Start-up-Markt.

27 Ellen MacArthur Foundation, How not to fail: Avoiding 10 29 Vgl. Startup Valley of Death: Sieben einfache Schritte zum common pitfalls when scaling circular business models, 2025, Startup-Erfolg | G-P S.23 30 In Ergänzung: PREVENT Waste Alliance, Financing Circularity 28 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon; Einhorn • Definition | Gabler Part 1: Bridging the Gap between Finance Demand and Wirtschaftslexikon ­Supply, 2025, S.4 13


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Wie die Material-Pioniere von Traceless ans Geld für die erste Fabrik kamen „WENN WIR ES JETZT NICHT ­MACHEN, MACHT ES NIEMAND“

    Traceless gilt als Aushängeschild für Innovation in der Kunststoffindustrie: ein pflanzen-
    basierter Plastikersatz, ausgezeichnet mit dem Deutschen Gründerpreis und 2025 nomi-
    niert für den Deutschen Zukunftspreis, eine gerade eröffnete Produktion in Hamburg.
 Wenn ein Unternehmen mühelos an Kapital kommen müsste, dann dieses. Und trotz-
 dem schildert Isabel Thoma, Head of Impact Communications, wie die Finanzierung zum
    Kraftakt wurde.

      Traceless verfolgt das Ziel, erdölbasierten Kunststoff im    Für den wunden Punkt fällt immer wieder derselbe
     großen Stil zu ersetzen und eine klimaneutrale Material-     Begriff: „First of a Kind“. Traceless baut als erstes Unter-
       industrie aufzubauen. Das Produkt ist ein Naturpolymer   nehmen eine industrielle Anlage für Materialien dieser
     aus pflanzlichen Reststoffen, das sich verarbeiten lässt     Art. Niemand kann vorab versichern, dass die Technolo-
     wie Kunststoff und am Ende kompostierbar ist. Gegrün-     gie in großem Maßstab zuverlässig funktioniert. „Das ist
     det 2020, hat das Hamburger Unternehmen 2023 eine    dieses berüchtigte Tal des Todes“, sagt Thoma und meint
     Finanzierungsrunde über 36 Millionen Euro abgeschlos-    damit die Lücke zwischen im Labor erfolgreich geteste-
     sen und damit seine erste Anlage im industriellen Maß-     ter Technik und der Finanzierung des Skalierens.
      stab gebaut, die im Frühjahr 2026 angelaufen ist.
                                             An Risikokapital in dieser Größenordnung zu kommen,
   Wer nun glaubt, ein hochinnovatives Produkt in einem     sei „sehr schwer“, und das liegt nicht zuletzt am
      regulatorisch getriebenen Markt ziehe das Kapital von    ­sogenannten Kausalitätsdilemma: Als Pionier muss
      selbst an, liegt falsch. Alle rufen nach Innovation, doch     ­Traceless den ganzen Markt für das eigene Produkt
      steht sie vor der Tür, stoßen selbst willige Geldgeber an    miterzeugen. Nachfrage entsteht oft erst durch regula-
     Grenzen.                                                torischen Druck, etwa wenn nicht nachhaltige Materia-
                                                                           lien verboten oder unter Auflagen gestellt werden.

                                          Wenn das Geschäft viel „Hardware“ verlangt, wird es
                                                   noch schwieriger: Pilotanlage, Demonstrationsanlage,
                                                            später die Industrieanlage, jeweils ein gewaltiges
                                                           Investment. Hier ziehen sich die klassischen Risiko­
                                                                kapitalgeber zurück. Ihnen fehlt für Industrieinnovation
                                                                      oft das technische Wissen, und sie folgen Markttrends,
                                                                          in denen klassische Industrie selten vorkommt. „Im VC-
                                                     Markt gibt es ein Marktversagen“, resümiert Thoma.
                                                            Bei anderen Finanzierern kämen systemische Hürden
                                                                hinzu: Eine Bank etwa könne das Häkchen für eine
                                                               Bewilligung nicht setzen, weil es im Risikomanagement
                                                                  nicht passt. So kann ausgerechnet der erste industrielle
                                                      Sprung oft nicht finanziert werden.

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Isabel Thoma, Head of Impact Communications Wie kann das sein? Die Antwort von Thoma heißt fehlen- von Traceless des Level Playing Field, also ungleiche Spielregeln, durch die nicht alle Wettbewerber die gleichen Chancen haben. Die Preise am Markt sind weiter auf eine lineare Wirtschaft ausgelegt. „Wir sehen riesige indirekte Sub- ventionen für Geschäftsmodelle, die auf fossilen Roh- stoffen basieren“, sagt sie, und kaum Anreize für zirku- läre Rohstoffe. Solange der lineare Wettbewerber künstlich billig bleibt, setzen Investoren auf das falsche Modell.

Den Vorwurf, Impact und Rendite ließen sich nicht ver- einbaren, weist Thoma zurück. Für Traceless ist beides kein Widerspruch, sondern ein Bedingungsverhältnis. Anne Lamp, Gründerin „Wir denken es immer so rum, dass erst die Impact- von Traceless Ziele da sind, und um die zu erreichen, muss man wirt- schaftlich sein“, sagt Gründerin Anne Lamp.

Wie schließt ein Unternehmen unter diesen Bedingun- gen den hohen Finanzierungsbedarf? Die Antwort: Otto steigen nicht über Anteile ein, sondern liefern über Nicht über einen Geldgeber, sondern über viele. Am Entwicklungspartnerschaften den Marktbeweis, der Anfang standen kleine, aber entscheidende Förderungen. wiederum in der Analyse anderer Geldgeber wichtig ist. Beim Hamburger Programm „Calls for Transfer“ gab es „ein paar zehntausend Euro“. Es folgten die Seed- Den Bankkredit ermöglichte am Ende nicht der Markt, Runde mit ersten VCs, eine Förderung des Europäischen sondern die Politik. Ohne die Landesbürgschaft hätte Innovationsrats und, für die Demonstrationsanlage, fünf es ihn nicht gegeben. Thoma nennt das eine Ausnahme: Millionen Euro aus dem Umwelt innovations­programm So viel politische Unterstützung mobilisieren zu kön- des Bundesumweltministeriums. Die Series A, also die nen, sei nicht der Normalfall. Es half, dass das Vorha- erste institutionelle Finanzierungsrunde nach der frühen ben hohe gesellschaftliche Relevanz hat und zur Wirt- Gründungs- und Seed-Phase, kombinierte schließlich schaftsagenda der Hansestadt passt. Daraus folgt ihre Eigenkapitalinvestoren, erneut öffentliche Förderung zentrale Forderung. Wenn das Finanzierungsproblem und einen Bankkredit, der nur möglich war, weil das bei „First-of-a-Kind“-Vorhaben systemisch ist, dann Land Hamburg eine Bürgschaft übernahm. darf seine Lösung nicht vom politischen Einzelfall abhängen: „Wenn das eine systemische Lücke ist, dann Der Mix aus verschiedenen Geldgebern mit jeweils braucht es vielleicht auch eine systemische Lösung.“ unterschiedlichen Anforderungen sei zwar anstrengend, Garantien wie die Bürgschaft gehörten daher aber habe auch Vorteile, sagt Thoma. Jeder Geldgeber institutionalisiert. schaue aus eigener Logik auf dasselbe Vorhaben und bringe anderes Wissen mit. Die Prüfung durch ein Gründerin Anne Lamp verfällt trotz des Erfolges nicht staatliches Programm wirke zudem nach außen: Wer sie in Euphorie. „Es war schon ein echter Kraftakt“, räumt bestanden hat, ist gegenüber den anderen Akteuren sie ein. Was bleibt, ist eine Mischung aus Risikobereit- glaubwürdiger. Jenseits des Kapitals zählen außerdem schaft und Überzeugung: „Wenn wir es jetzt nicht strategische Partner: Unternehmen wie Mondi oder machen, dann macht es halt niemand.“

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Start-ups auf neuen Wegen FINANZIERUNG OHNE KLASSISCHE FINANZIERER

   Vor der Tür ist es still. Der eine zupft am Kragen, der andere prüft zum dritten Mal, ob
   der USB-Stick mit der Präsentation wirklich in der Hosentasche steckt. Der Klingelknopf
      ist gedrückt. Jetzt heißt es, zu warten. Hinter dieser Tür sitzt der erste Investor, der sie
   überhaupt treffen will – nach Monaten voll von Gesprächen, versandten Mails ohne
  Antwort und einem höflichen Nein nach dem anderen. Das Licht an der Gegensprech-
   anlage wird grün. Der Buzzer brummt. Die Tür geht auf.

    Vor solchen Türen stehen viele Gründer in Deutsch-    selbstverständlich. Die meisten dieser Geschichten
      land und ganz besonders diejenigen, deren Geschäfts-   enden mit einer Absage. Manche aber führen woan-
     modelle auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft oder    ders hin, denn Not macht erfinderisch: Wer nicht ins
      soziale Innovation zielen. Dass eine funktionierende    klassische Raster passt, erfindet seine eigene Finanzie-
     Idee Geld für die Umsetzung findet, selbst wenn sie    rung mitunter neu. Zwei solcher Wege erzählen die
   dem Planeten oder Menschen nützt, ist keineswegs    Gründer von Plastic Fischer und Denttabs.

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Plastic Fischer: Impact as a Service ­eingehen, wenn es sehr genau passt“, sagt Mitgründer Karsten Hirsch. Es gehe nicht um eine grundsätzliche Die Gründer von Plastic Fischer klingelten erst gar Ablehnung von Geld oder Gewinn, sondern um die nicht an sonderlich vielen Türen. Schon die Recherche Bedingungen: eigenes Management, eigenes Tempo. im Netzwerk zeigte ihnen, dass die meisten verschlossen Das aktuelle Modell erlaubt ein langsames, stabiles bleiben würden. Die Gründer wollen Plastikmüll daran Wachstum; genau das strebt Plastic Fischer an. Schnelles hindern, ins Meer zu gelangen. Sie fangen ihn mit einfa- Wachstum, wie es am Ende auch Impact-Funds erwarten, cher Technik und lokalen Arbeitskräften an Flussmün- ginge zulasten der Mitarbeitenden vor allem in Indien dungen ab. Beim Start im Jahr 2019 sind sie überzeugt: und Indonesien, die den Müll aus den Flüssen holen. Ein großer Anteil wird recyclebar sein, und die Erträge daraus werden die Materialkosten und Gehälter finan- Was Hirsch sich stattdessen wünscht, ist „Philanthropic zieren. Sie steigen mit eigenem Geld ein. Investment“ – freiwilliges Kapital, das Wirkung über Rendite stellt und langsames Wachstum belohnt. Aus Der Praxistest in Indonesien widerlegt die Ursprungs- eigener Kraft lässt sich diese Lücke nicht schließen: hypothese: So einfach ist es nicht, die Technik funktio- „Wir werden immer auf externe Gelder angewiesen niert nicht wie gewünscht, und der Müll ist von so sein, um unsere Arbeit auszuführen“, sagt er. Das Risiko schlechter Qualität, dass er nicht zu recyceln ist. sei dabei gering, denn „wir haben einen deutlichen Impact Case und wenig Risiko, Pleite zu gehen“. Mit sol- Während der Corona-Zwangspause entwickeln sie das chem Geld ließen sich stabile Strukturen aufbauen. Geschäftsmodell neu. Wenn das Recycling kein Einkom- Sein Appell reicht über den eigenen Sektor hinaus an men bringt, muss die Wirkung selbst zum Produkt wer- Politik und Gesellschaft: Gesellschaftliche Aufgaben den: Unternehmen kaufen exakt gemessene Müllmengen, seien gemeinschaftlich zu lösen. die Plastic Fischer in ihrem Auftrag aus der Umwelt entfernt. Das Modell nennen sie „Impact-as-a-Service“.

Zwischen 2021 und 2023 trägt das gut. Das Klima steht in den Schlagzeilen, große deutsche Unterneh- men und auch Einzelpersonen kauften Wirkung, Spon- soring kommt hinzu. Inzwischen ist der Wind rauer: Kunden und Mitarbeitende vieler Firmen interessieren sich weniger für grüne Geschichten, und Wettbewer- ber drängen mit billigeren – aber anders geprüften – Angeboten in den Markt.

Trotzdem sucht Plastic Fischer auch heute ­keinen Venture Capitalist – und auch keinen Impact-Fund, obwohl das Kapital nützlich wäre. „Wir könnten gut 500.000 bis eine Million Euro aufnehmen. Wir würden aber nur eine Partnerschaft für die Finanzierung Karsten Hirsch, Mitgründer von Plastic Fischer

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Denttabs: Wirken am Abgrund Für Denttabs sollen 10.000 Aktien à 50 Euro ausgegeben werden, wodurch Viversus 50 Prozent der Anteile hält Axel Kaiser ist es gewohnt, dass Anfragen bei Geldge- und jeder Miteigentümer werden kann. bern nicht gut ausgehen. Sein Unternehmen Denttabs ist seit Jahrzehnten am Markt, getragen von Eigenmit- Aus der Insolvenz gerettet hat das Denttabs jedoch teln und einzelnen kleinen Krediten, kaum von Fremd- nicht. Abgewendet wird diese erst durch eine umge- kapital. Das Produkt: Zahnputztabletten, gesünder für stellte Produktion und den Weggang einer Person. die Nutzer, mit weniger Chemie in der Umwelt und Heute fertigt Denttabs unter anderem die Eigenmarke ohne Plastiktube – funktioniert nachweislich und ist einer großen Drogeriekette, und Kaiser verhandelt mit online wie in Drogerien zu kaufen. Nur die Nachfrage weiteren Interessenten über Anteile. wächst seit Jahren nicht: Die Verhaltensänderung, auf die Tube zu verzichten, setzt sich nicht in großem Maß- Was also nimmt Axel Kaiser aus dieser Phase mit? Sein stab durch. Einwand ist grundsätzlich: dass Geld selbst zum Asset werde, dass man Investoren erst Renditen vorrechnen Auf der Suche nach Investoren spricht Kaiser mit etab- müsse, um sie überhaupt zu gewinnen. Für ihn geht es lierten Unternehmen, Banken, Fonds, klassischen wie um die Sache, nicht ums Geldvermehren: „Wir müssen Impact-Investoren und stellt kaum einen Unterschied einfach lernen, die Wirtschaft anders zu denken“, sagt er. im Umgang fest. Sein Modell passt in kein Raster: zu wenig Umsatz, zu wenig Impact. Die Firma will er ohne- hin abgeben; ihm fehle die Management-Expertise, meint er selbst. Er sei der Visionär, die Umsetzung gehöre in Axel Kaiser, andere Hände. 2025 scheitert die Käufersuche erneut. Gründer von Denttabs Danach meldet er Insolvenz an, halb aus Geldnot, halb aus Frustration über die jahrelange Suche.

   Was folgt, ist eine Welle der Anteilnahme: Im sozialen
    Netzwerk LinkedIn häufen sich Berichte von Nutzern
     über die Wirkung des Produkts, die Verkäufe steigen.
     Die Aufmerksamkeit führt zu einer Kooperation mit der
      Viversus gAG, die gemeinnützige Aktien verkauft, um
      Projekte transparent und sozialverträglich zu finanzieren.

       Auch wenn die Türen zur Finanzierung geschlossen bleiben: Nicht jedes Start-up scheitert, das keine klassi-
        sche Finanzierung findet. Wer nicht in die lineare Wirtschaft und ihr Raster passt, erfindet manchmal, neben
        der eigentlichen Idee, auch die Finanzierung neu. Plastic Fischer und Denttabs tun das auf entgegengesetz-
         ten Wegen: Der eine behält die Kontrolle, um langsam zu wachsen, der andere möchte sie abgeben, damit
        es richtig wächst. Beiden gemeinsam ist, dass nicht die Rendite die Regeln vorgibt, sondern die Sache.

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Kommen Venture Capital und nachhaltiges Wachstum noch zusammen? WENN ZWÖLF PROZENT ZU WENIG SIND

Als „House of Impact“ begleitet die von mehreren Stiftungen initiierte gemeinnützige Organisation Anthropia in Duisburg gesellschaftlich wirksame Start-ups von der ersten Idee bis zur Wachstumsphase – mit Know-how, Netzwerk und der Überzeugung, dass unternehmerisches Handeln und gesellschaftlicher Fortschritt kein Widerspruch sind. „Patient Capital“, also geduldiges Geld, wollten sie zusätzlich liefern, doch die Finanzwelt stellte sich quer.

Anthropia erkannte die strukturelle Finanzierungslücke Kuschel plädiert deshalb für alternative Kapitalgeber. So von Impact-Start-ups und sah darin eine Chance. Die könnten etwa Stiftungen diese Aufgabe übernehmen, These: Die enge Begleitung im Inkubator verschafft indem sie im Rahmen ihrer Vermögensverwaltung einen Informationsvorsprung, der das Ausfallrisiko investieren statt „nur“ zu fördern. Vor allem aber brau- senkt – auch bei moderater Rendite. „Wir können Geld che es einen rechtlichen Rahmen, der geduldige Investi- geben, das ein normaler Investor aus Gründen der Risi- tionen grundlegend attraktiver macht, etwa durch Blen- koabwägung nicht gibt, weil er nicht so nah dran ist wie ded-Finance-Modelle, bei denen staatliche und private wir“, sagt Geschäftsführer Oliver Kuschel. 2024 wurde Gelder ineinandergreifen. Der Vorteil: Durch öffentliche deshalb Anthropia Ventures gegründet: ein Fonds, der Investitionen wird das Risiko eines Marktes verringert, gezielt in Impact-Start-ups investieren sollte. wodurch privates Kapital gehebelt statt verdrängt wird.

Anthropia suchte nach Investoren, doch die Reaktion Denn eines hat Anthropia in mehreren Jahren der des Marktes war ernüchternd. Das angestrebte Fonds- Start-up-Begleitung gelernt: „Wenn Impact-Start-ups volumen in Höhe von zehn Millionen Euro kam nicht gesellschaftliche Probleme lösen, muss die Gesellschaft zusammen. Die Rückmeldung potenzieller Investoren das auch mitfinanzieren.“ war konsistent: Die erwartete Rendite von rund zwölf Prozent – solide, verhältnismäßig verlässlich, aber ohne die Wachstumsfantasie eines Tech-„Einhorns” – reichte nicht. Kuschel berichtet: „Viele Investoren haben gesagt, zwölf Prozent Rendite pro Jahr sind zu wenig. Oliver Kuschel,Da haben wir irgendwann gesagt: Gut, dann lassen wir Geschäftsführeres in diesem Marktumfeld vorerst sein.“ von Anthropia

Trotz des abgeschwächten Risikos fehlte am Markt das Vertrauen in ein Modell jenseits klassischer VC-Pfade – bei konventionellen Investoren sowie bei Impact- Kapitalgebern. Das Credo laute weiterhin: So viel Rendite wie möglich. Und die können Impact-Start-ups in der Regel nur zulasten ihres Impacts liefern.

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ETABLIERTENDIE finanzieren. Neue das soll Alte Das funktionieren? dasUNTERNEHMENKann

  2020

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Business as usual könnte am teuersten werden DER WEITE WEG ZUM ­NEUEN MEHRWERT

Die größte Herausforderung auf dem Weg in die zirkuläre Zukunft besteht für etablierte Unternehmen nicht darin, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Schwieriger ist der Übergang dorthin. Denn dieser bedeutet, über Jahre hinweg zwei Welten gleichzeitig zu finanzieren: Das bestehende lineare Geschäft muss weiterlaufen und Gewinne erwirt- schaften, während parallel Rücknahmesysteme, Reparaturangebote, Mietmodelle oder neue Serviceleistungen aufgebaut werden müssen.

Das neue Geschäft bindet Kapital, Personal und Ein lineares Unternehmen optimiert den Durchsatz: Managementkapazitäten – lange bevor es einen ver- Materialien werden eingekauft, verarbeitet und als Pro- gleichbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet. dukte verkauft. Ein zirkuläres Unternehmen muss wissen, Das alte, ­lineare Geschäftsmodell finanziert seinen zirku- was nach der Nutzung mit diesen Produkten geschieht. lären Nachfolger. In wirtschaftlich guten Jahren kann das Es braucht Informationen über Materialzusammenset- funktionieren. Aber wenn es ohnehin schon mäßig läuft? zung, Sammlung und Sortierung. Es muss entscheiden, ob ein Produkt wiederverwendet, mechanisch recycelt Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob Transfor- oder auf andere Weise verwertet werden kann. Und es mation gelingt. Denn zirkuläre Geschäftsmodelle ver- muss mit Kunden und Entsorgern Vereinbarungen tref- ändern nicht nur Produkte oder Produktionsprozesse. fen, die bislang nicht Teil des Geschäfts waren. Sie verändern die wirtschaftliche Logik eines Unterneh- mens. Erlöse entstehen nicht mehr ausschließlich beim Greiner reagiert darauf mit mehreren Strategien gleich- Verkauf eines Produkts, sondern zunehmend durch zeitig. „Design for Recycling“ soll gewährleisten, dass dessen Rücknahme, Wiederverwendung, Aufbereitung Verpackungen nach ihrem Gebrauch tatsächlich sor- oder erneute Vermarktung. Investitionen fallen früher tiert und recycelt werden können. Eigene Recyclingak- an, wirtschaftliche Rückflüsse später. Unternehmen tivitäten sollen den Zugang zu Sekundärrohstoffen und benötigen deshalb Kapital, das längere Amortisations- das Wissen über deren Verarbeitung sichern. Mehr- zeiten akzeptiert und den Übergang mitträgt. weglösungen und neue Geschäftsmodelle sollen die Abhängigkeit vom einmaligen Verkauf reduzieren.31 Die Nicht nur Produkte, sondern das Unternehmen umbauen Transformation verläuft damit auf zwei Ebenen – und der Druck zur Veränderung ist laut Greiner-CEO Saori Beim österreichischen Kunststoff- und Schaumstoffver- Dubourg groß.32 Das Unternehmen verändert seine arbeiter Greiner versteht man Kreislaufwirtschaft inzwi- Produkte – und baut zugleich Kompetenzen auf, die im schen nicht mehr als einzelne Produktinnovation, sondern linearen Modell kaum benötigt wurden. setzt sich hohe Ziele bei der Kombination aus recycling­ fähigem Design, wiederverwendbaren Lösungen, Partner- Doch auch ein Unternehmen mit Milliardenumsatz kann schaften und dem Aufbau eigener Recyclingkompetenz. den Kreislauf nicht allein schließen. Selbst eine technisch

31 Greiner AG (2024) 32 Greiner AG (2024b) 21


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gut konzipierte Verpackung bleibt linear, wenn sie nicht Schwalbe musste dafür ein Netzwerk aufbauen, das getrennt gesammelt wird, Sortieranlagen sie nicht erken- weit über die eigene Fabrik hinausreicht: Der Fachhan- nen oder kein Markt für das zurückgewonnene Material del nimmt gebrauchte Reifen entgegen, Logistikpartner existiert. Die Investition in das eigene Produkt zahlt sich bündeln und transportieren sie, ein Technologieunter- daher nur aus, wenn andere Unternehmen und die nehmen gewinnt daraus wiederverwertbare Bestand- öffentliche Infrastruktur gleichzeitig investieren. teile, und die Entwicklungsabteilung muss sicherstellen, dass das recycelte Material erneut in Reifen eingesetzt Genau hier zeigt sich die Finanzierungsfrage als System- werden kann.35 problem: Jeder Akteur trägt die Kosten seiner eigenen Umstellung, der wirtschaftliche und ökologische Erfolg Der Wert entsteht somit nicht in einem einzelnen hängt aber von Entscheidungen ab, die an anderen Stellen Unternehmen. Er entsteht in der Verbindung verschie- der Wertschöpfungskette getroffen werden. dener Akteure. Jeder von ihnen benötigt eine wirt- schaftliche Motivation, sich dauerhaft zu beteiligen. Der Kreislauf wird selbst zum Produkt Das Beispiel macht auch sichtbar, warum Kreisläufe häufig Beim Fahrradreifenhersteller Schwalbe wird dieser nicht allein aus dem Wert des zurückgewonnenen Mate- Perspektivwechsel besonders anschaulich. Das Unter- rials finanziert werden können. Sammlung, Transport und nehmen produziert und verkauft weiterhin Reifen. Aufbereitung kosten Geld, bevor der Rohstoff erneut ein- Gleichzeitig hat es als erster Fahrradreifenhersteller gesetzt werden kann. Ist Primärmaterial gleichzeitig güns- weltweit Rücknahmesysteme für gebrauchte Fahrrad- tig, reicht der Marktwert des Rezyklats möglicherweise schläuche und Reifen aufgebaut. „Recycling wird bei nicht aus, um alle diese Leistungen zu bezahlen. uns wie ein Produkt behandelt und hat die gleiche Prio- rität wie jede technische Innovation“, bringt es Holger Wenn der Handel zum Rohstoffmanager wird Jahn, Vorstandsmitglied für Entwicklung und Technik auf den Punkt.33 In vielen Fällen lösen neue Geschäftsmodelle das klassi- sche Business nicht ab, sondern ergänzen es. Als promi- Die strategische Veränderung beginnt mit einer erwei- nentes Beispiel dafür gilt die Schwarz Gruppe. Sie ist mit terten Verantwortung. Im linearen Modell endet die ihren Ketten Lidl und Kaufland eines der erfolgreichsten Beziehung zum Reifen mit dem Verkauf. Im zirkulären Handelsunternehmen und stellte 2018 mit PreZero eine Modell beginnt an dessen Lebensende ein neuer Pro- komplette Entsorgungs- und Recyclingsparte daneben.36 zess: Der Reifen muss zum Hersteller oder zu einem Diese ließ der kapitalstarke Konzern nicht langsam Partner zurückgelangen, transportiert, aufbereitet und wachsen, sondern schuf aus dem Stand einen Giganten. erneut als Material nutzbar gemacht werden. Das im Als Beispiel für die Probleme bei der Finanzierung des Jahr 2022 eingeführte System zeigt trotz dieser Her- zirkulären Wandels kann Schwarz daher nicht dienen. ausforderungen schnell Erfolge: Im Juli 2024 wurden Kaum jemand hat diese Möglichkeiten. bereits eine Million Reifen gesammelt, recycelt und wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Inzwischen sind Und die Gründung solcher Verbünde schafft auch noch es fast 2,5 Millionen.34 Der Kreislauf selbst wird zur keine zirkuläre Transformation. Sie offenbart aber eine unternehmerischen Leistung. bestimmte Strategie: Die Schwarz Gruppe bezeichnet

     33  Schwalbe (2024)                                     35  Schwalbe (2024)

22 34 Schwalbe (2024) 36 Schwarz Gruppe (2026), Seite 7


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ihre Kombination aus Produktion, Handel, Recycling Je stärker sich funktionierende Materialkreisläufe etab- und Digitalisierung als eigenes Ökosystem. Mit ihrer lieren, desto eher entwickeln sie sich zu einem Wettbe- unternehmensweiten Kreislaufwirtschaftsstrategie werbsvorteil. Aus dieser Perspektive ist die Circular „REset Resources“ will sie die einzelnen Teile stärker Economy kein Nachhaltigkeitsprojekt. Sie wird zu einer miteinander verbinden. Investition in die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

PreZero hat es mit einem Umsatz in Höhe von 3,9 Mil- Nicht jedes Unternehmen kann seinen eigenen Kreis- liarden Euro im Geschäftsjahr 2023/24 bereits in die lauf kaufen Top Ten der weltweit größten Entsorgungsunterneh- men geschafft.37 Und dennoch: Die Sparte der Schwarz Große Unternehmen und Konzerne verfügen über die Gruppe bleibt laut des Branchenblatts EUWID ein Ver- Mittel, neue Strukturen selbst aufzubauen. Doch die lustgeschäft. Das muss man sich auf lange Sicht erst Circular Economy kann nicht davon abhängen, dass einmal leisten können.38 jedes Unternehmen eigene Sammel- und Rücknahme- systeme besitzt. Die entscheidende Frage lautet des- Wie hartnäckig dieses Minus ist, zeigen die Konzern­ halb, wie eine gemeinsame Infrastruktur finanziert und zahlen: 2024 verbesserte sich das Ergebnis von PreZero der daraus entstehende Wert verteilt wird. zwar von rund minus 511 Millionen Euro auf minus 386 Millionen Euro, blieb damit aber weiterhin tief in der Wer trägt die Kosten einer Rücknahmelogistik? Wer Verlustzone. profitiert von besser sortierbaren Verpackungen? Wer finanziert Recyclingkapazitäten, wenn die Nachfrage Stillstand ist auch eine Investitionsentscheidung nach Rezyklat schwankt? Und wie werden Unternehmen belohnt, die heute investieren, obwohl sich der Nutzen Die Debatte um die Circular Economy konzentriert sich erst in einer funktionierenden Wertschöpfungskette häufig auf die Kosten des Wandels. Weniger Aufmerk- von morgen entfaltet? samkeit erhält die Gegenrechnung: Auch das Festhalten am linearen Modell ist mit wirtschaftlichen Risiken Die Ellen MacArthur Foundation nennt neben einheit- verbunden. lichen Marktregeln und wirtschaftlichen Anreizen die Zusammenarbeit in der Lieferkette und geeignete Unternehmen bleiben dadurch abhängig von Primär- Finanzierungslösungen als Voraussetzungen für die rohstoffen, deren Preise und Verfügbarkeit geopoliti- Skalierung zirkulärer Geschäftsmodelle. Dazu gehören schen Krisen, Handelskonflikten oder Lieferengpässen Instrumente, die Risiken reduzieren und Investitionen unterliegen können. Gleichzeitig steigen die regulatori- in gemeinsame Infrastrukturen ermöglichen.40 schen Anforderungen. Mit neuen Vorgaben zu Recyc- lingquoten, dem Einsatz von Rezyklaten und einer stär- Die Eingangsthese bedarf also einer Ergänzung: Die größte keren Herstellerverantwortung erhöht die Europäische Herausforderung besteht nicht nur darin, die Übergangs- Union den Druck, Materialkreisläufe frühzeitig aufzu- zeit von der linearen Gegenwart in die zirkuläre Zukunft zu bauen. Wer erst reagiert, wenn diese Anforderungen finanzieren. Es geht nicht minder darum, dies synchroni- verbindlich werden, muss häufig unter größerem Zeit- siert zu tun – unternehmensübergreifend und entlang der und Kostendruck investieren.39 Wertschöpfungskette. Das macht die Aufgabe nicht leichter.

37 EUWID (2026) 39 Ellen MacArthur Foundation (2026) 38 EUWID (2025) 40 Ellen MacArthur Foundation (2026) 23


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Fünf Fragen an Frank Stammer, Head Regulatory, ­Standardisation and Circular Economy bei TecPart „WER UM SEINE AUSLASTUNG KÄMPFT, INVESTIERT VORSICHTIGER IN NEUE STRUKTUREN“

        Viel wird über die Finanzierung der Kreislaufwirtschaft gesprochen. Doch wie sieht die
        Realität in den Unternehmen aus? Frank Stammer, Head Regulatory, Standardisation and
        Circular Economy beim Verband Technische Kunststoff-Produkte (TecPart), beobachtet
       die Transformation quer durch die Kunststoffindustrie und erklärt, warum Mittelständler,
     Konzerne und Finanzierer vor sehr unterschiedlichen Aufgaben stehen.

         Herr Stammer, viele sprechen über Kreislaufwirtschaft.     Gibt es Unterschiede zwischen Mittelstand und
      Was passiert in den Unternehmen tatsächlich?           Konzernen?
        Die meisten bauen kein völlig neues Geschäft auf der     Ja, deutliche. Mittelständler finanzieren neue Kreislauf-
        grünen Wiese. Sie erweitern ihr bestehendes Geschäft    projekte meist aus dem laufenden Geschäft heraus.
           Schritt für Schritt. Zirkularität entsteht oft zunächst in   Große Unternehmen können strategischer vorgehen,
          einzelnen Projekten: mehr Rezyklateinsatz, neue Pro-     gezielt Kapital aufnehmen und ganze Recycling- oder
         duktdesigns oder Rücknahmekonzepte. Der Wandel ist   Rücknahmesysteme aufbauen. Sie haben schlicht mehr
         eher Evolution als Revolution.                           Spielraum für langfristige Investitionen.

      Warum fällt dieser Wandel vielen Unternehmen derzeit    Verändert Kreislaufwirtschaft auch die Zusammenarbeit
         so schwer?                                          zwischen Unternehmen?
         Weil sie zwei Zeithorizonte gleichzeitig managen müs-    Absolut. Früher reichte es oft, Material einzukaufen
          sen. Langfristig wissen viele Unternehmen, dass Kreis-   und Produkte zu verkaufen. Heute müssen Verarbeiter,
           laufwirtschaft notwendig ist. Kurzfristig stehen jedoch    Kunden, Recycler und Rohstofflieferanten viel enger
          Auftragslage, Kosten und Wettbewerbsfähigkeit im    zusammenarbeiten. Kreislaufwirtschaft entsteht nicht
         Fokus. Wer um seine Auslastung kämpft, investiert vor-     in einem Unternehmen, sondern entlang der gesamten
           sichtiger in neue Strukturen.                            Wertschöpfungskette.

                                              Was wünschen sich die Unternehmen am meisten, um
                                                                      schneller voranzukommen?
                                                                        Klarheit. Unternehmen können sich auf neue Anfor-
                                                         derungen einstellen, wenn die Richtung verlässlich ist.
                                              Wer weiß, welche Regeln und Quoten in fünf oder
                                                        zehn Jahren gelten, kann investieren. Unsicherheit
                                                                                     ist oft ein größeres Hindernis als die eigentliche
                                                                Transformation.

Frank Stammer, Head Regulatory, ­Standardisation and Circular Economy bei TecPart

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Der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann erkennt früh den Wert von PCR und Rezyklaten REZYKLATEINSATZ Benjamin Kampmann, Nachhaltig- keitsexperte bei PöppelmannALS CHEFSACHE

Beim Kunststoffverarbeiter Pöppelmann aus Lohne ist der Einsatz von Rezyklaten kein Kostenposten am Rand des Geschäfts, sondern Chefsache. Die aktuelle Strategie begann 2018, als die Gesellschafter des 1949 gegründeten Familienunternehmens mit weltweit rund 2.500 Beschäftigten angesichts der Bilder von Plastikmüll im Meer und asiatischer Importbeschränkungen für Kunststoffabfälle die Frage stellten, wie die Zukunft des Werkstoffs Kunststoff bei Pöppelmann aussehen soll. Dabei verarbeitet das Unterneh- men bereits seit den 1980er-Jahren Rezyklate.

„Die Antwort darauf war unsere Initiative Pöppelmann Entscheidend sei gewesen, den Rezyklateinsatz als blue – mit einem Lenkungsausschuss aus Gesellschaf- Geschäftsmodell und nicht als Pflichtaufgabe zu verstehen. tern, Beirat und Geschäftsführung, der sich seither Heute liegt der Rezyklatanteil im Unternehmen bei rund vierteljährlich mit dem Fortschritt befasst“, berichtet 50 Prozent, davon 40 Prozentpunkte PCR und zehn Pro- Nachhaltigkeitsexperte Benjamin Kampmann. Das Ziel zentpunkte PIR. Das ursprünglich für 2025 formulierte sei es gewesen, in allen vier Unternehmensbereichen Ziel von 60 Prozent Rezyklat bei 50 Prozent PCR wurde Leuchtturmprojekte aufzubauen und so „von der Ob- zwar verfehlt. Dennoch hat sich die eingesetzte PCR- Diskussion zur Wie-Diskussion zu kommen“. Bis Ende Menge seit dem Start der Initiative vervierfacht. „Wir 2020 seien in allen Bereichen entsprechende Serien- sind erfolgreich gescheitert“, sagt Kampmann. produkte am Markt gewesen. Am weitesten ist die Entwicklung im Gartenbaubereich. Die Herausforderungen würden sich je nach Branche Der PCR-Anteil liegt dort über das gesamte TEKU- unterscheiden. Im Gartenbau habe Pöppelmann mit Portfolio bei mehr als 70 Prozent, einzelne mit dem seinen TEKU-Pflanztöpfen den Markt nach eigenen Blauen Engel zertifizierte Serien schreiben mindestens Angaben mitgeprägt. Im Automobilbereich positioniere 80 Prozent PCR vor. Es wurden bereits mehrere Milliar- sich das Unternehmen als Entwicklungspartner und den entsprechender Pflanztöpfe produziert. setze bereits Rezyklate aus Verpackungsabfällen und dem Altautorecycling ein. Bei Lebensmittelverpackungen Die größte Herausforderung sieht Kampmann inzwi- setze die Regulierung dem Rezyklateinsatz dagegen schen weniger in der Technik als in der Rohstoffversor- enge Grenzen. gung. Die ab 2030 geltenden EU-Quoten könnten die Nachfrage nach Rezyklaten stärker steigen lassen als Für die stärkere Nutzung von Rezyklaten brauche das Angebot. Aus Sicht des Unternehmens droht damit ­Pöppelmann keine externen Geldgeber. „Das ist alles ein Paradox: Ausgerechnet Unternehmen, die früh auf eigenfinanziert“, betont Kampmann. Ein festes Budget den Einsatz von Rezyklaten gesetzt haben, könnten künf- für Sonderprojekte gebe es aber nicht. Vielmehr sei die tig nicht mehr ausreichend Recyclingmaterial erhalten. Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter der entschei- „Im Zweifel stellen wir ab 2030 wieder Pflanztöpfe aus dende Engpass. Weil das Thema bis in die Gesellschafter- Neuware her, weil wir kein Rezyklat mehr dafür bekom- ebene getragen werde, entstünden zugleich Priorität men. Das wäre aber weder ökologisch noch ökono- und Umsetzungsdruck. misch sinnvoll“, sagt Kampmann.

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Regeln FINANZIERERalten mit SpielDIE Neues

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Die Diskrepanz zwischen zirkulären Geschäftsmodellen und dem Finanzsystem GEFANGEN IM TAL DES ­TODES

Die Kreislaufwirtschaft wird häufig als Finanzierungsherausforderung dargestellt. Doch die eigentliche Hürde besteht darin, dass zirkuläre Geschäftsmodelle nicht zu dem ­heutigen Finanzsystem passen.

Für Marvin Nusseck, Leiter des Finance Programme bei tutionen besonders hohe Anforderungen an den Nach- Circle Economy, ist offensichtlich: Es mangelt nicht an weis von Wirkung und Nachhaltigkeit stellen. „Die Kapital, sondern an dessen Lenkung. Untersuchungen öffentlichen Banken und die MDBs sind dabei am von Circle Economy zeigen, dass Investitionen weiterhin gründlichsten und zugleich am weitesten entwickelt“, vor allem in etablierte Branchen und bewährte sagt er. Geschäftsmodelle fließen, nicht in jene mit dem größten Potenzial für zirkuläre Wirkung. Die im niederländischen Impact-Investoren würden häufig flexibler agieren. Sie Amsterdam ansässige Denkfabrik steht hinter dem Cir- seien eher bereit, aufstrebende zirkuläre Geschäftsmo- cularity Gap Report, der den globalen Grad der Kreis- delle zu finanzieren, weil sie davon überzeugt sind, dass laufwirtschaft misst, sowie dessen jüngster Ergänzung, sich ökologischer und sozialer Mehrwert langfristig dem Circularity Gap Report Finance, der die Kapital- auch in finanziellem Erfolg niederschlägt. Ihre Investiti- ströme in zirkuläre Geschäftsmodelle analysiert. onsentscheidungen orientieren sich häufig an der Übereinstimmung mit ihrer Mission. Anders als oft behauptet, liegt die Herausforderung weniger im Kapitalangebot als in den Anreizstrukturen, Geschäftsbanken und institutionelle Investoren hinge- die Investitionen weiterhin in lineare Geschäftsmodelle gen fordern in der Regel nachgewiesene Cashflows, lenken. „Das zugrunde liegende Problem ist immer die standardisierte Kennzahlen und etablierte Risikoprofile. Preisgestaltung von Ressourcen“, sagt Nusseck und „Für die meisten Banker, die tatsächlich Finanzierungen blickt dabei ebenfalls auf die externalisierten Kosten der vergeben, wirkt die Kreislaufwirtschaft eher wie eine linearen Wirtschaft, wodurch es zirkuläre Geschäftsmo- Ablenkung“, sagt Nusseck. Ihre Aufgabe bestehe letzt- delle am Markt schwerer hätten. lich darin, Projekte zu finanzieren, die verlässliche Ren- diten bei überschaubarem Risiko versprechen. Wer finanziert was? Jede dieser Akteursgruppen erfülle eine wichtige Funk- Ein Teil der Herausforderung bestehe darin, dass unter- tion, weshalb ihre jeweiligen Finanzierungslogiken bes- schiedliche Investoren sehr unterschiedlichen Manda- ser verstanden und berücksichtigt werden müssten. ten folgen. Multilaterale Entwicklungsbanken (MDBs) Die Herausforderung bestehe darin, dass viele zirkuläre und öffentliche Entwicklungsbanken seien bereit, Unternehmen genau zwischen diese Kategorien fallen. Transformations- und Infrastrukturprojekte auch mit Sie sind häufig zu risikoreich für klassische Kreditgeber, längeren Zeiträumen zu finanzieren. „Sie verfügen über zu kapitalintensiv für Venture Capital und zugleich patient capital, Kapital mit einem langen Anlagehori- noch nicht reif genug für großvolumige institutionelle zont“, erklärt Nusseck. Gleichzeitig würden diese Insti- Finanzierung – das berüchtigte Tal des Todes.

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Das Tal des Todes der Kreislaufwirtschaft Die Finanzierungsherausforderung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass es keine allgemein akzeptierte Nusseck erklärt, dass zirkuläre Start-ups in frühen Ent- Definition dessen gibt, was überhaupt als zirkulär gilt. wicklungsphasen häufig Zugang zu Fördermitteln, Geht es bei Kreislaufwirtschaft um Recycling, um Res- ­Inkubatoren und öffentlicher Unterstützung erhalten. sourceneffizienz, um Product-as-a-Service, um zirkulä- Etablierte Unternehmen mit stabilen Umsätzen können res Design oder um Sekundärrohstoffe? „Es wird nie- dagegen meist Fremdkapital aufnehmen. Die größte mals eine wasserdichte Definition dafür geben, was Finanzierungslücke entsteht dazwischen, in der Phase der zirkulär ist und was nicht“, argumentiert Nusseck. Ohne kommerziellen Markteinführung und des Wachstums. eine gemeinsame Definition wird es schwierig, Investiti- onsströme zu erfassen, Investitionsmöglichkeiten zu Viele zirkuläre Geschäftsmodelle erfordern erhebliche vergleichen, Benchmarks zu entwickeln oder spezifische Vorabinvestitionen (CAPEX), lange bevor Erträge Finanzprodukte aufzulegen. erzielt werden. „Die Kapitalrendite muss innerhalb von fünf Jahren erreicht werden und nicht erst nach 15 Warum Risikomodelle versagen Jahren“, erklärt Nusseck. „Genau das ist das Problem: zirkuläre Unternehmen haben tragfähige Geschäftsmo- Die grundlegendste Hürde liegt jedoch in der Art und delle, können diese jedoch nicht schnell genug vorwei- Weise, wie Finanzinstitute Risiken bewerten. „Die Risi- sen.” Damit entsprechen sie nicht den Erwartungen komodelle der Finanzierer sind für zirkuläre Geschäfts- vieler Investoren an schnelles Wachstum. „Es ist nicht modelle schlicht nicht ausgelegt“, sagt Nusseck. Die das Hockey-Stick-Wachstum, das Venture-Capital- meisten Finanzierungsmodelle bewerten Unternehmen Investoren sehen wollen.“ Die Folge ist das sogenannte anhand etablierter Eigentumsstrukturen, vorhersehbarer „Valley of Death“, eine Phase, in der Technologien ihre Lieferketten und historischer Leistungsdaten. Zirkuläre Machbarkeit bereits bewiesen haben, jedoch nicht Unternehmen schaffen ihren Wert jedoch häufig auf genügend Wachstumskapital erhalten, um den nächsten andere Weise: durch Ressourceneffizienz, Material- Entwicklungsschritt zu schaffen. rückgewinnung, höhere Resilienz und eine geringere Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten. Diese Vorteile spiegeln sich in herkömmlichen Bewertungs- modellen kaum wider.

                                                                      Letztlich leidet die Kreislaufwirtschaft unter einem
                                                              Finanzsystem, das für eine lineare Wirtschaft konzi-
                                                                          piert wurde. Die eigentliche Herausforderung besteht
                                                                           darin, Definitionen, Bewertungsmethoden und Risiko-
                                                           modelle weiterzuentwickeln, die den tatsächlichen
                                                   Wert der Kreislaufwirtschaft für den Finanzsektor
                                                                      sichtbar machen.
          Ein Definitionsproblem

Marvin Nusseck, Leiter der Finance Programme bei Circle Economy

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Circularity-Investor Wolfgang Hafenmayer „DER GLAUBE AN DEN GRÜNEN ­BONUS IST NAIV“

   Die Erzählungen rund um die Nöte der Nachhaltigkeits-Pioniere klingen oft ähnlich: zu
   wenig Kapital, zu wenig Risikobereitschaft der Finanzierer und Investoren, zu wenig
   Unterstützung der Politik für grüne Technologien. Der Investor Wolfgang Hafenmayer
    hält diese einseitige Zuschreibung für falsch.

     „Es gibt genug Geld“, sagt Wolfgang Hafenmayer. Ein    Gerade Deep-Tech-Start-ups würden häufig die wirt-
     bemerkenswerter Satz von einem Investor, der mit sei-    schaftliche Realität industrieller Märkte unterschätzen.
    nen Unternehmen Sagana und Circulate Capital welt-    Gute Technologien würden allein nicht ausreichen. Ent-
      weit Hunderte Millionen Dollar in Recyclinginfrastruktur,    scheidend sei, ob Produktionskosten sinken, Lieferketten
      Climate Tech und zirkuläre Geschäftsmodelle investiert.     funktionieren und Kunden bereit seien, zu zahlen.

    Der von der Schweiz aus operierende Deutsche sieht    Besonders schwierig werde das in zirkulären Geschäfts-
     das Problem woanders: Viele Gründer könnten nicht    modellen, weil diese laut Hafenmayer oft infrastruktur-
     hinreichend erklären, wie aus ihrer Technologie ein     lastig und damit kapitalintensiv seien. Anders als klassi-
      wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen werden soll.    sche Software-Start-ups würden Recyclinganlagen, neue
     „Von über 3.000 Innovationsunternehmern kann viel-    Materialien oder biologische und chemische Innovatio-
       leicht ein Prozent erklären, wie sie in fünf Jahren wett-    nen hohe Vorabinvestitionen und lange Entwicklungszy-
     bewerbsfähig werden wollen. Die meisten von ihnen    klen benötigen. „Viele Investoren haben schlicht und
      sind reine Technologie-Freaks oder Öko-Träumer.“    ergreifend nicht den Atem, so lange durchzuhalten.“
    Damit trifft Hafenmayer einen empfindlichen Punkt: zu
        viel Fokus auf Innovation und Wirkung, zu wenig auf    Circular Economy ist kein Softwaremodell
      Skalierung und Profitabilität.
                                                Genau hier liege ein strukturelles Problem: Viele Inves-
     Impact reicht nicht aus                                 toren seien von den Skalierungslogiken digitaler Platt-
                                                    formen geprägt – doch Recyclinginfrastruktur lasse
     Die Idee hinter Impact Investing werde häufig missver-     sich nicht mit minimalem Kapitaleinsatz kopieren. „Eine
     standen. Für Hafenmayer bedeute das nicht, auf Ren-    Recyclinglinie kostet fünf bis zehn Millionen Dollar.“
       dite zu verzichten. „Ein Investor will an erfolgreichen   Das erkläre auch, warum viele Circular-Start-ups trotz
    Unternehmen mitverdienen.“ Auch Circulate Capital    großer Aufmerksamkeit scheitern würden: Nicht die
      investiere nicht philanthropisch, sondern mit klaren    Idee ist das Problem, sondern der Schritt in den indust-
     Renditeerwartungen. Die Fondsstruktur orientiere sich     riellen Maßstab.
    an klassischen Venture- und Growth-Modellen, nur mit
      zusätzlicher Wirkungskomponente. Die These dahin-    Für Hafenmayer ist Kreislaufwirtschaft in vielen Berei-
        ter: Die großen ökologischen Probleme der kommen-    chen ein Infrastrukturthema. Erfolgreiche Modelle ent-
    den Jahrzehnte erzeugen enorme neue Märkte. Wer    stünden dort, wo Materialströme effizient organisiert
     funktionierende Lösungen entwickelt, kann hochprofi-   und wirtschaftlich verwertbar werden könnten. Das
      table Unternehmen schaffen. Doch genau daran würden    erkläre auch, warum große Konzerne wie PepsiCo,
       viele scheitern.                                     Coca-Cola oder Unilever zu den ersten Unterstützern

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von Circulate Capital gehörten. „Für sie war das von haben, bei denen Recycling hinfällig wird“, blickt er auf der Business-Seite her überlebensnotwendig.“ Rezyk- die Entwicklung neuer Materialien und Prozesse, die late würden zunehmend strategisch relevant – nicht Produkte biologisch abbaubar oder vollständig regene- aus moralischen Gründen, sondern weil Regulierung, rativ machen könnten. Genau dort sieht er enorme Ressourcenknappheit und geopolitische Risiken die Investmentchancen, allerdings nur für Teams, die tech- Unternehmen dazu zwingen würden. nologische Innovation mit ökonomischer Skalierbarkeit verbinden können. Denn am Ende bleibt für ihn eine Die Illusion des grünen Premiums einfache Regel bestehen: Nicht Nachhaltigkeit macht ein Unternehmen investierbar, sondern ein funktionie- Viele Circular-Start-ups würden mit einem „grünen rendes Geschäftsmodell. Bonus“ kalkulieren: Kunden oder Unternehmen, so ihre Annahme, würden mehr bezahlen, weil das Produkt nachhaltiger sei. Hafenmayer hält das für naiv: „Ohne Regulierung hast du keine Chance.“ Solange fossile Rohstoffe günstiger bleiben als Rezyklate, gerät die Kreislaufwirtschaft unter Kostendruck – gerade im Kunststoffbereich. Als Hebel dagegen sieht er ver- pflichtende Recyclingquoten, Rezyklatanteile und strengere Materialstandards.

Warum trotzdem investiert wird

Trotz aller Kritik investiert Hafenmayer weiter in Circular Economy und Climate Tech. Allerdings deutlich selekti- ver als viele klassische Nachhaltigkeitsfonds. Entschei- dend sei nicht die Nachhaltigkeitserzählung, sondern die industrielle Logik. Attraktiv würden Modelle dann, wenn ökologische Transformation und wirtschaftliche Notwendigkeit zusammenfallen, etwa bei Seltenen Erden, Batterierecycling oder neuen Materialtechnolo- gien. Sagana investierte unter anderem in Cyclic Mate- Wolfgang Hafenmayer, rials, ein kanadisches Unternehmen, das Magneten aus Investor Elektrofahrzeugen recycelt. „Das ist geopolitisch und ökologisch extrem relevant und verspricht signifikanten finanziellen Erfolg“, begründet er sein Engagement.

Gleichzeitig glaubt Hafenmayer, dass viele heutige Recyclingmodelle langfristig wieder verschwinden könnten. „Am Ende des Tages werden wir Technologien

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Wie klassische Risikobewertungen die Kreislaufwirtschaft ausbremsen ZIRKULARITÄT PASST NICHT IN DIE EXCEL-TABELLE

   Die Kreislaufwirtschaft reduziert wirtschaftliche Gefahren. Sie verringert die Abhängig-
     keit von Rohstoffimporten und sorgt für robustere Lieferketten. Wenn es um die Kredit-
   vergabe zur Finanzierung zirkulärer Geschäftsmodelle geht, spielt das bei der Risikobe-
  wertung kaum eine Rolle. Woran liegt das?

    Andreas Gruber, Chief Sustainability Officer der Deut-   Dadurch entsteht ein klassisches Henne-Ei-Problem:
    schen Kreditbank (DKB), sieht keine mangelnde Inves-   Ohne Finanzierung können neue Geschäftsmodelle
      titionsbereitschaft seiner Branche. „Wir sehen ein Rie-    nicht wachsen. Ohne erfolgreiche Beispiele fehlen wie-
      senpotenzial. Zirkularität ist ein Multiproblemlöser.“   derum die Erfahrungswerte, die Banken für ihre Risiko-
    Das eigentliche Problem sei ein anderes: Die Finanzie-    bewertung benötigen.
     rung der Kreislaufwirtschaft scheitere derzeit an den
    Bewertungs- und Risikologiken, nach denen Kapital   Der Wert, den niemand bilanziert
     vergeben wird.
                                                      Besonders deutlich wird dieses Dilemma im Gebäude-
    Das Henne-Ei-Problem der Circular Economy             sektor. Zirkuläre Gebäude enthalten Materialien, die
                                                    nach Jahrzehnten nicht als Abfall enden, sondern
    Banken beurteilen Risiken nicht aus dem Bauch her-    erneut genutzt werden können. Rein ökonomisch
      aus, sondern anhand jahrzehntelanger Erfahrungs-    besitzen diese Materialien also einen zukünftigen Rest-
     werte, standardisierter Bewertungsverfahren und    wert. Im derzeitigen Finanzsystem spielt dieser jedoch
       klar nachvollziehbarer Cashflows - genau hier stößt   kaum eine Rolle. „In einem zirkulären Bau haben Bau-
      die Kreislaufwirtschaft an ihre Grenzen. „Es gibt zu     teile einen langfristigen Wert, den wir als Bank anders
    wenig Klarheit über die Geldströme und über die    bilanzieren müssten, aber noch nicht können“, erklärt
     Werte, die dahinterstehen. Und damit gibt es in vie-    Gruber. Genau hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen
      len Fällen zu wenig Klarheit über Risiken und erwart-     zirkulärer und finanzieller Logik. Während die Kreis-
     baren Erlöse zirkulärer Geschäftsmodelle“, beschreibt    laufwirtschaft auf langfristige Werterhaltung setzt,
    Gruber die Situation.                                       basiert die klassische Finanzierung häufig auf kurzfristig
                                                      nachweisbaren Sicherheiten und bekannten Markt-
      Viele zirkuläre Geschäftsmodelle erzielen ihren größten    werten. Die Folge: Viele der Vorteile zirkulärer Modelle
      wirtschaftlichen Nutzen erst über lange Zeiträume.    erscheinen in keiner Bilanz und damit auch in keiner
    Wiederverwendbare Materialien, rückbaubare Gebäude    Kreditentscheidung.
     oder Leasingmodelle für Produkte schaffen Werte, die
       sich oft erst nach Jahrzehnten vollständig entfalten. Das   Banken wollen investieren – aber ihnen fehlen die
     Problem: Banken betrachten Finanzierungen meist in   Werkzeuge
     deutlich kürzeren Zeithorizonten.  „Ein  zirkuläres
     Geschäftsmodell trägt oft erst nach zehn Jahren am    Dabei steht die Finanzbranche dem Thema durchaus
     meisten Früchte, während die Bank die Risiken am    positiv gegenüber. Die DKB finanziere bereits große
    Anfang trägt“, sagt Gruber.                                 Teile der Energiewende und investiere  in soziale

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Andreas Gruber, Chief Sustainability Officer der Deutschen Kreditbank (DKB)

             ­Infrastruktur, kommunale Unternehmen sowie nachhal-   Auch für die Kreislaufwirtschaft sieht er den Staat in einer
            tige Immobilienprojekte. Auch im Bereich Kreislaufwirt-    zentralen Rolle. Dabei gehe es nicht zwingend um neue
           schaft entstehen erste Finanzierungen und Pilotprojekte.    Subventionen, sondern um Standards, Dateninfrastruktu-
            Gleichzeitig beschreibt sich die Bank selbst noch als Ler-     ren, Förderprogramme und regulatorische Anreize. „Der
         nende. „Wir haben keine Circularity-Strategie und kein    Staat hat unfassbar viele Instrumente in der Hand.“
          genuines Circularity-Produkt. Wir sind noch in der Phase
         des Aufschlauens und des konzeptionellen Fassens, was    Die eigentliche Transformation
          wir eigentlich unter Zirkularität verstehen“, sagt Gruber.
                                                             Für Gruber ist klar: Die Kreislaufwirtschaft braucht
       Das liege nicht an mangelndem Interesse, sondern an    nicht in erster Linie mehr Geld im System. Sie braucht
         fehlenden Instrumenten. Oft sei gar nicht sichtbar, wo    ein verändertes Bewertungssystem mit Kriterien, die
            Zirkularität bereits stattfinde. Deshalb fordert die Bank     ihre Wertschöpfung erkennbar machen. Solange Ban-
         bessere Datengrundlagen und Standards. Instrumente    ken langfristige Materialwerte, verringerte Rohstoffab-
         wie digitale Gebäuderessourcenpässe könnten sichtbar    hängigkeiten oder zukünftige Wiederverwendungspo-
        machen, welche Materialien in Gebäuden verbaut sind    tenziale nicht in ihre Modelle integrieren können,
       und welchen Wert sie langfristig besitzen. Erst dann   werden viele zirkuläre Geschäftsmodelle als riskanter
        könnten diese Werte auch in Finanzierungsentschei-    erscheinen, als sie tatsächlich sind.
        dungen berücksichtigt werden.
                                                             Die Herausforderung liege damit weniger auf der Seite
         Die Lehre aus den erneuerbaren Energien                einzelner Unternehmen  als  in den Strukturen des
                                                              Finanzsystems selbst – oder wie es der DKB-Nachhal-
          Ein Blick auf die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren    tigkeitschef formuliert: „Wir stehen alle in den Start­
         Energien zeigt, wie solche Märkte entstehen können.    löchern. Aber wir tun uns noch ein bisschen schwer mit
        Heute gelten Wind- und Solarparks als weitgehend   dem Loslaufen.“
          bankfähig. Das war nicht immer so. Die Wende brachte
           die politische Rahmensetzung. „Durch die Einspeise-    Die Zukunft der Kreislaufwirtschaft entscheidet sich des-
         vergütung hat der Gesetzgeber das Risiko beim Cash-    halb nicht nur in Fabriken, Recyclinganlagen oder Bau-
          flow rausgenommen, und damit war das Thema für die    projekten, sondern auch in den Risikomodellen, Bilanzie-
        Banken leicht zu beherrschen“, blickt Gruber zurück.       rungsregeln und Bewertungssystemen der Finanzwelt.

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Warum sich multilaterale Entwicklungsbanken nach wie vor schwertun ZIRKULÄRE FINANZIERUNG BRAUCHT ÖKOSYSTEME

   Die Kreislaufwirtschaft wird oft als die „risikoärmere“ Zukunft des Wirtschaftens darge-
      stellt: weniger Rohstoffe, weniger Abfall, mehr Resilienz. Aus Sicht multilateraler Ent-
   wicklungsbanken ist die Realität komplizierter. „Es ist nicht so, dass das Risiko verschwin-
    det. Es ist einfach eine andere Art von Risiko“, sagt Marcela Betancourt Munoz vom
   Klima- und Umweltteam der IDB Invest, dem Privatsektor der Inter-American Develop-
  ment Bank Group (IDB).

     Diese Einschätzung stellt eine der vorherrschenden    Ähnliches gelte für die Landwirtschaft und industrielle
     Erzählungen rund um zirkuläre Finanzierung infrage.    Produktion. IDB Invest beschäftige sich zunehmend
     Betancourt zufolge liegt das größte Hindernis nicht    damit, wie industrielle Symbiosen entstehen können.
     unbedingt in einem Mangel an Kapital oder Investoren-    Dabei wird untersucht, wie Abfallströme aus einem
      interesse. Das eigentliche Problem sei, dass Märkte,    Sektor zu Inputs für einen anderen werden können,
     Regulierungen und Finanzsysteme immer noch nicht   etwa durch die Umwandlung landwirtschaftlicher Rest-
     wissen, wie zirkuläre Geschäftsmodelle richtig zu    stoffe in Biogas. „Eines der fehlenden Elemente ist, wie
    bewerten seien.                              man die verschiedenen Ökosysteme miteinander ver-
                                                                     bindet“, erklärt Betancourt. „Wir müssen von einzelnen
     Bei IDB Invest hat diese Frage zunehmend an Bedeu-    zirkulären Unternehmen zu einer echten Kreislaufwirt-
     tung gewonnen. Die multilaterale Entwicklungsbank    schaft kommen. Noch immer funktionieren viele dieser
      arbeitet daran, zu verstehen, wie Kreislaufwirtschaft    Projekte als isolierte Kreisläufe statt als Teil eines voll-
      finanzierbar werden kann, und investiert dabei in Pro-    ständig vernetzten zirkulären Ökosystems.“
      jekte etwa aus Bereichen wie Abfallwirtschaft, Wasser-
      aufbereitung, Verkehrsinfrastruktur, Agrarwirtschaft    Für Banken entsteht dadurch Unsicherheit. Sekundär-
    und nachhaltige Finanzierung in ganz Lateinamerika.    stoffmärkte sind oft wenig entwickelt, Zertifizierungs-
    Anders als spezialisierte Impact-Investoren oder Ven-    systeme unvollständig und die langfristige Nachfrage
     ture-Fonds für Kreislaufwirtschaft finanziert IDB Invest    schwer vorhersehbar. Viele Unternehmen können zir-
      Projekte nur selten allein deshalb, weil sie als zirkulär    kuläre Produkte herstellen, tun sich aber weiterhin
     bezeichnet werden.                                     schwer, Abnehmer, Industriepartner oder Marktstruk-
                                                            turen zu finden, die diese in großem Maßstab aufneh-
    Das spiegelt eine umfassendere Realität der zirkulären   men können. „Man findet Projekte, die den Kreislauf
     Finanzierung wider: Viele zirkuläre Lösungen sind in    intern schließen. Aber dann haben sie keine Kunden für
     konventionelle Branchen eingebettet, statt als eigen-     ihr Produkt“, sagt Betancourt.
     ständige Geschäftskategorien zu existieren. Elektro-
     busse etwa werden erst dann zirkulär, wenn Fragen    Dieser Mangel an ökosystemischer Reife sei einer der
     rund um Batterie-Wiederverwendung, Recycling oder    Gründe, warum zirkuläre Finanzierung nach wie vor nur
     Second-Life-Anwendungen ins Spiel kommen: „Was mit    einen kleinen Anteil der globalen Investitionsströme aus-
    den Batterien geschieht, ist ein neues Thema und ein    macht. Betancourt zufolge brauche es für die Skalierung
    neues Geschäftsmodell“, sagt Betancourt.                der Kreislaufwirtschaft weit mehr als die Finanzierung

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einzelner Projekte. Notwendig seien koordinierte Öko- oder Risiken für weitere Investoren zu senken: „Wenn systeme, gemeinsame Standards und stärkere politische wir an einer Transaktion beteiligt sind, wird das oft als Rahmenbedingungen. „Taxonomie ist eines der wichtigs- sicherer wahrgenommen, wodurch wir zusätzliche ten Themen“, sagt sie. „Das würde allen helfen, dieselbe Investoren mit ins Boot holen können.“ Sprache zu sprechen.“ Gleichzeitig arbeitet IDB Invest mit Regierungen, Für multilaterale Entwicklungsbanken ist diese systemi- Finanzinstitutionen und privaten Akteuren zusammen, sche Perspektive zentral. Anders als Geschäftsbanken um politische Rahmenbedingungen und Nachhaltig- sind sie verpflichtet, Entwicklungswirkung neben finan- keitstaxonomien zu stärken. Ohne diese übergeordne- ziellen Erträgen zu priorisieren. „Unser Hauptfokus liegt ten Strukturen bleibe Zirkularität auf fragmentierte, auf Wirkung und Entwicklung in der Region“, erklärt isolierte Pilotprojekte beschränkt. „Zirkularität ist sehr Betancourt. Die Bank sei nicht nur daran interessiert, schwierig, wenn niemand den großen Rahmen dafür eine profitable Transaktion abzuschließen. Dieses Man- schafft“, sagt Betancourt. dat erlaube es multilateralen Entwicklungsbanken, ­Kredite mit technischer Unterstützung, Mischfinanzie- Die Zukunft der zirkulären Finanzierung dürfte daher rung, nachhaltigkeitsgebundenen Instrumenten und weniger davon abhängen, mehr Kapital zu finden, als politischer Unterstützung zu kombinieren. In der Praxis davon, die Ökosysteme aufzubauen, die es zirkulären bedeute das, Unternehmen dabei zu helfen, Prozesse Geschäftsmodellen ermöglichen, im großen Maßstab neu zu gestalten, Kennzahlen für Zirkularität zu definieren zu funktionieren.

                                                                          Marcela Betancourt Munoz,
                                                                               Klima- und Umweltteam der IDB Invest

                                                                                       3535

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gestern POLITIKwarDIE Umweltpolitik

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Im Gespräch mit dem Architekten des European Green Deal „WIR DÜRFEN NICHT ­IMMER DIE RICHTUNG ÄNDERN“

Der langjährige Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, plädiert bei der Nachhaltigkeit für eine Vorreiterrolle Europas.

Gute Umweltpolitik ist heute Sicherheits-, Wirtschafts- Und umgekehrt führt der Verlust natürlicher Ressourcen und Zukunftspolitik zugleich – und sie scheitert vielfach zu massiven Problemen für die Wirtschaft. Die Wech- vor allem an der politischen Kurzfristigkeit. Das ist für selwirkung liegt auf der Hand. Frans Timmermans, als langjähriger Vize-Präsident der Europäischen Kommission einer der hartnäckigsten Werden aktuell nicht eher wirtschaftspolitische und Architekten des europäischen Green Deal, der Haupt- ökologische Interessen gegeneinander ausgespielt? grund, warum die Umstellung von der linearen auf die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellt immer wie- zirkuläre Wirtschaft von der Politik nicht den Rücken- der Ökonomie und Ökologie gegeneinander, als ob wind bekommt, den sie benötigt. Ein Gespräch über Nachhaltigkeit uns wirtschaftlich zu schaffen macht. Verantwortung, Mut und die Frage, warum Nach­ Das Gegenteil ist richtig. Ich verstehe nicht, dass das haltigkeit nicht weniger als ein Sicherheitsversprechen nicht besser verstanden wird. Ich kann mir das nur so ist – für eine Welt, die gerade lernt, wie teuer dies erklären, dass man sehr kurzfristig Punkte machen will. werden kann.

                                                       Als Vize-Präsident der EU-Kommission waren Sie für

Herr Timmermans, was muss gute Umweltpolitik in den Bereich Nachhaltigkeit verantwortlich und haben einer Zeit sich überlagernder Krisen leisten? eine ganze Reihe von Richtlinien und Verordnungen Politik sollte sich auf das konzentrieren, was für unsere zur Förderung der Kreislaufwirtschaft auf den Weg Kinder und Enkelkinder wichtig ist und nicht nur auf die gebracht. Was war dabei Ihr roter Faden? nächsten Jahre schauen. Wir sprechen viel zu wenig Man muss das Thema holistisch und nicht nur in seinen darüber, was Umweltpolitik für unsere Sicherheit Einzelteilen betrachten. Wenn man eine Mehrheit im bedeutet. Wenn wir unsere Zukunft mit unserer Sicher- Europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten heit verknüpfen, dann haben wir eine ganz andere überzeugen will, muss man zeigen, dass es nicht nur um Debatte über Umweltpolitik. Kreislaufwirtschaft geht, sondern etwa auch um die Energiewende. Wir haben das alles nur machen kön- Gibt es denn überhaupt noch Umweltpolitik, oder ist nen, weil es für jeden etwas Wichtiges gab. Da war Umwelt-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik realistisch man auch eher bereit, etwas in einem anderen Bereich betrachtet nicht eins? zu geben, der wiederum für andere wichtig war. Es war 80 Prozent der Biodiversitätsverluste werden durch die für diejenigen, die in der Wirtschaft langfristig denken, Art und Weise unseres linearen Wirtschaftens hervor- wichtig zu wissen, was notwendig ist. Sie dürfen sich gerufen, weil wir keine Kreislaufwirtschaft haben. Das aufgrund einer kurzfristigen Politik nicht bestraft füh- hat die Europäische Kommission untersuchen lassen. len und dann nicht mehr mitmachen wollen.

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Trotz Ihrer Bemühungen sind die Marktbedingungen loren? Warum hatten unsere Großeltern und Eltern für zirkuläre Produkte noch immer schwierig. Einweg- diese Verantwortlichkeit im Kopf und wir nicht mehr? plastik beispielsweise ist billiger als adäquate Mehr- Wenn die großen Katastrophen kommen, dann ist es zu wegsysteme. Wie kann es für Investoren attraktiver spät, unsere Wirtschaft umzustellen. Der globale Süden, werden, in zirkuläre Geschäftsmodelle zu investieren? Länder wie Vietnam oder Indonesien, machen mehr dagegen als wir in Europa. Wieso können wir nicht ein Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sollten Vorbild für diese Welt sein? Amerika hat diese Vorbild- sich die Lage in der Straße von Hormus genau funktion für viele Leute verloren. Für Europa ist das anschauen und fragen, was das für unsere Fürsorge in eine goldene Chance, die wir nicht verpassen dürfen. vielen Bereichen bedeutet. Virgin Plastic wird aus Öl hergestellt, und Öl wird immer teurer. Zugleich gehen Was muss jetzt konkret geschehen, damit man aus aber derzeit Recycling-Betriebe pleite. Beides passt dieser Spirale der Kurzfristigkeit herauskommt? nicht zusammen. Wir sollten grundsätzlich bei dem weitermachen, was Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir selbstständig die Europäische Kommission vorgeschlagen hat und mehr produzieren können. Das schaffen wir nur, wenn was der Europäische Rat und das Europäische Parla- wir zirkulär werden und alles, was wir hier produzieren, ment beschlossen haben. Wir müssen aber ehrlich sein aufs Neue benutzen. Der Preisunterschied von Virgin- und das auch so sagen. Wir haben eine einzigartige Material und Rezyklaten muss kleiner werden. Das Chance zu zeigen, dass Europa das viel bessere Modell meinte ich eingangs: Nachhaltigkeit dient unserer hat als Amerika oder China. Sicherheit. Wir dürfen das nicht nur über die Wachstumsquote Bei E-Autos sind wir gerade dabei, unseren Vorsprung vermitteln, sondern auch mit unseren Werten verbin- an China abzugeben – so wie wir es schon bei Photo- den. Warum gibt es so viel Politikverdrossenheit? Die voltaik gemacht haben. Wenn wir jetzt auch bei Kunst- Leute haben das Gefühl, dass sie keinen Einfluss mehr stoff und Recycling aufgeben, wird es später viel teurer, auf ihre Zukunft haben. Aber wir könnten zeigen, dass das wieder neu aufzubauen oder für viel Geld aus wir als Europäer Zukunft gestalten können. Ich habe China zu kaufen. Das wäre eine Tragödie. das bei den Weltklima-Konferenzen erlebt: Wenn Europa die Führung übernimmt, dann folgen auch die Ist es realistisch, dass die Regierungen und auch die Chinesen und Amerikaner. Europäische Union diesbezüglich weitere Regulierun- gen in größerem Stil treffen können? Wir müssen jetzt durchhalten und dürfen nicht immer wieder die Richtung ändern. Das ist es, was den Betrie- Warum war es bei COVID möglich, tief in das Leben ben zu schaffen macht. Sie wissen nicht, ob sie damit der Menschen einzugreifen? Die große Mehrheit der rechnen können, dass wir unsere Rechtssetzung kon- europäischen Bevölkerung hatte Verständnis dafür, sistent durchsetzen. Konsistenz ist aber das, was die weil Menschen gestorben sind. Die Gefahren für Leib EU bieten muss, nachdem wir mit dem Green Deal eine und Leben beim Klima, beim Naturschutz, bei unserer Richtung gewählt haben. Sicherheit und der Kreislaufwirtschaft sind genauso groß. Nur wird das von den Politikern nicht vertreten. Welche Rolle spielen Subventionen, Regulierung und Marktmechanismen? Ich finde es verantwortungslos, dass die Politik nur an die nächste Wahl denkt und nicht bereit ist, zu sagen, Bisher wurden Subventionen oftmals zum Vorteil für dass wir auch an unsere Kinder und Enkelkinder denken Menschen gemacht, die sie eigentlich nicht brauchen. müssen. Wann haben wir diese Verantwortlichkeit ver- Das haben wir bei den Solarsubventionen, aber auch

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Frans Timmermans (geboren 1961) war von 2014 bis 2023 Erster Vizepräsident der Europä- ischen Kommission und als politischer Architekt des Europäischen Green Deal maßgeblich für die EU-Klimapolitik verantwortlich. Zuvor war er niederländischer Außenminister. 2023 kehrte er in die niederländische Politik zurück, um ein rot-grünes Bündnis in die Parlamentswahl zu führen; nach Verlusten bei der Wahl 2025 trat er als dessen Vorsitzender zurück.

      bei den Subventionen für Elektroautos gesehen. Die    Ich habe bei Shell und BP erlebt, dass deren frühere
     meisten Leute, die davon profitiert haben, hätten sich   CEOs laut darüber nachgedacht haben, wie ihr Busi-
     beides auch so leisten können. Die Nachhaltigkeit    ness Model in 50 Jahren funktioniert und sie massiv in
    haben wir bisher viel zu wenig mit Blick auf eine    erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft investie-
     Umverteilung betrachtet.                               ren wollten. Beide haben ihre Jobs verloren, denn die
                                                   Unternehmen werden von Aktionären beherrscht, die
    Das Wichtigste, was wir für die Finanzierung der Kreis-    an den kurzfristigen Profit denken. Bei den Pensions-
      laufwirtschaft aber tun können, ist die Schaffung einer    fonds ist man dagegen bereit, langfristig zu denken.
     europäischen Kapitalunion. Es gibt viele Milliarden
      Euro, die nach guten Investitionsmöglichkeiten suchen.    Aber auch europäische Kapitalmarktregeln können
     Aber wenn man in Europa investiert, dann ist man noch    nicht garantieren, dass zusätzliche Investitionen nicht
     abhängig von  völlig unterschiedlichen nationalen    nur in die Old Economy fließen, sondern in zirkuläre
      Regeln. Dadurch werden Investoren vorsichtig. Wenn   und nachhaltige Geschäftsmodelle …
      wir Investitionen in Nachhaltigkeit aus Amerika nach
                                             Da kann Norwegen ein Vorbild sein, wo man mit einem
     Europa holen wollen, dann brauchen wir dringend die
                                                          Staatsfonds sicherstellt, dass private Investitionen
      Kapitalunion, und es ist eine Schande, dass die Mit-
                                                              abgesichert sind. Damit werden die Risiken kleiner. Mit
      gliedsstaaten diesen Schritt noch nicht gegangen sind.
                                                                 dieser Steuerpolitik hat der Staat die Möglichkeit, priva-
     Unter deutscher und französischer Führung sollte sie
                                                                  tes Kapital zu mobilisieren.
       schnell über die Bühne gebracht werden.

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Wir sind viel zu schwach gewesen, indem wir nicht den Bürgern, warum das nicht auch dort gemacht wird. genau vorgeschrieben haben, was die Mitgliedsstaaten Wir brauchen dafür eine europäische Lösung, und dabei mit den Geldern aus dem Emissionshandel (ETS) machen müssten wir den Übergang zur nachhaltigen Energie müssen. Deutschland bekommt viele Milliarden aus dem beschleunigen. Das ist das einzig Konstruktive und ETS, aber sie werden nicht präzise für die Nachhaltigkeit Nachhaltige, was wir machen können. eingesetzt. Wenn wir einen Teil der ETS-Gelder in einen Fonds stecken würden und diesen, so wie das Norwe- Ich glaube auch, dass eine solche Politik, wenn wir sie gen mit den Öl-Geldern macht, wachsen lassen würden, auf europäischer Ebene durchsetzen, auch von den dann könnten wir auch Investoren unterstützen und Bürgern unterstützt wird; 73 Prozent von ihnen sagen, auch schwierigere Zeiten überbrücken. Europa muss mehr machen. So eine hohe Zustimmung habe ich in den vergangenen 15 Jahren nicht erlebt. Sie Haben Sie das Gefühl, dass dieses Umdenken, das Sie merken, dass die Bedrohung aus Russland kommt, wir fordern, stattfindet? aber auch auf die Amerikaner nicht mehr bauen kön- nen. Es würde sicherlich gut bei den Leuten ankom- Leider nein. Ein Beispiel dafür sehen wir bei der Ener- men, wenn wir ihnen sagen: Leute, es gibt ein paar sehr giekrise infolge des Irankriegs. Deutschland, die Nieder- schwierige Jahre, und wir werden von denen, die es lande und Belgien gehen ganz verschieden damit um. sich leisten können, mehr abverlangen müssen. Wenn Deutschland gibt Subventionen in die fossile Industrie wir das machen, kommen wir besser raus. und in den Niederlanden gibt es dann Spannungen bei

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GLOSSAR

Accelerator-Programm Level Playing Field Ein zeitlich begrenztes Förderprogramm, das Start-ups Situation, in der alle Marktteilnehmer unter ver­ durch Mentoring, Netzwerke und Ressourcen beim gleichbaren Rahmenbedingungen agieren, so dass kein schnellen Wachstum unterstützt. Unternehmen systematische Vorteile oder Nachteile im Wettbewerb hat. Asset-Light-Modell Geschäftsmodell, bei dem ein Unternehmen möglichst Patient Capital wenige eigene Vermögenswerte (z. B. Immobilien oder Langfristig orientiertes Kapital, das Investoren bereit- Produktionsanlagen) besitzt und stattdessen auf Partner­ stellen, ohne kurzfristige Renditen zu erwarten, um schaften, Outsourcing oder Plattformstrukturen setzt, nachhaltiges Wachstum und die Entwicklung eines um flexibel und kapitalarm zu wirtschaften. Unternehmens über einen längeren Zeitraum zu ermöglichen. Blended-Finance-Modell Return on Investment (ROI) Finanzierungsansatz, bei dem öffentliche und private Kennzahl zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit einer Mittel kombiniert werden, um Investitionen in Ent­ Investition; sie setzt den erzielten Gewinn ins Verhält- wicklungs- oder nachhaltige Projekte zu ermöglichen, nis zum eingesetzten Kapital und zeigt damit die Ren- indem Risiken für private Investoren reduziert und dite einer Maßnahme. Anreize geschaffen werden. Risikokapital Cashflow Investitionskapital, das mit einer gewissen Wahr­ Der Nettozufluss an liquiden Mitteln, der zeigt, wie viel scheinlichkeit auch verloren gehen kann, weil das Geld einem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung steht. Geschäftsmodell doch nicht so funktioniert wie geplant. Due Diligence Scale-Up Sorgfältige Prüfung und Analyse eines Unternehmens Ein Unternehmen, das die Start-up-Phase erfolgreich oder Projekts vor einer Investition, um Chancen, Risiken hinter sich gelassen hat und sein Geschäftsmodell und den tatsächlichen Wert zu bewerten. schnell und nachhaltig skaliert, also Umsatz, Kundenba- Entwicklungsbank sis oder Mitarbeiterzahl stark ausbaut. Staatliche oder internationale Finanzinstitution, die Pro- Seed jekte zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung för- Früheste Phase der Unternehmensfinanzierung, in der dert, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungs­ Kapital bereitgestellt wird, um eine Geschäftsidee zu ländern, oft durch zinsgünstige Kredite oder Fördermittel. entwickeln, erste Prototypen zu erstellen und das First Loss Geschäftsmodell zu validieren. Die erste Verlustposition einer Finanzierung, die Aus­ Series A fälle zunächst absorbiert und damit andere Investoren Erste größere Finanzierungsrunde eines Start-ups nach absichert. der Gründungsphase, in der externe Investoren Kapital Green Bonds bereitstellen, um das Geschäftsmodell weiter­zu­ Anleihen, deren Emissionserlöse ausschließlich für entwickeln und das Wachstum zu skalieren. nachhaltige Umwelt- und Klimaschutzprojekte ein­ Venture Capitalist gesetzt werden. Investor, der junge, wachstumsstarke Unternehmen mit Impact Investing Eigenkapital finanziert und im Gegenzug Unter­ Anlagestrategie, bei der Investitionen gezielt darauf nehmens­anteile erhält, meist in einer frühen Entwick- ausgerichtet sind, neben einer finanziellen Rendite auch lungsphase und mit erhöhtem Risiko. eine messbare positive soziale oder ökologische Wir- kung zu erzielen. 41


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LINKS ZU DEN GENANNTEN ORGANISATIONEN UND PERSONEN

      Organisation                          Abk.        Link
      Anthropia                                                 https://anthropia.de
        Circle Economy                                       https://www.circle-economy.com
       Circulate Capital                                         https://www.circulatecapital.com
      Denttabs                                                  https://denttabs.de
     Deutsche Kreditbank               DKB        https://www.dkb.de
      Finance For Transition                                   https://www.finance4transition.de
      Inter-American Development Bank Invest   IDB Invest    https://idbinvest.org
        Plastic Fischer                                              https://plasticfischer.com
     Pöppelmann                                          https://poeppelmann.com
     Sagana                                                 https://sagana.com
        Silke Stremlau                                           https://www.silke-stremlau.de
      TecPart                                                    https://tecpart.de
       Traceless                                                https://www.traceless.eu/

     Interviews wurden mit folgenden Personen geführt:
     Anthropia, Oliver Kuschel, Geschäftsführer & Mitgründer
      Circle Economy, Marvin Nusseck, Lead Finance Program
     Denttabs, Axel Kaiser, Gründer & CEO
    Deutsche Kreditbank (DKB), Andreas Gruber, Chief Sustainability Officer 
     Finance for Transition, Silke Stremlau, Geschäftsführerin
     Frans Timmermans, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Kommission und ehemaliger Fraktionsvorsitzender
    von GroenLinks-PvdA
    IDB Invest, Marcela Betancourt Munoz, Advisory Officer for Climate Change
       Plastic Fischer, Karsten Hirsch, Mitgründer & CEO
    Pöppelmann, Benjamin Kampmann, Nachhaltigkeitsexperte
    Sagana & Circulate Capital, Wolfgang Hafenmayer, Founding Partner
      TecPart, Frank Stammer, Fachreferent für Kreislaufwirtschaft
      Traceless, Isabel Thoma, Head of Impact Communications

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QUELLENVERZEICHNIS

Bertelsmann Stiftung (2024). Kreislaufwirtschaft in Deutschland EUWID (2025). Prezero steigert Umsatz erneut. Verluste bleiben und der EU: Positionen & Perspektiven. https://www. trotz operativer Fortschritte hoch. https://www.euwid- bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/ recycling.de/news/wirtschaft/prezero-steigert-umsatz- Kreislauf_05_K.pdf (abgerufen am 24.04.2026) erneut-verluste-bleiben-trotz-operativer-fortschritte- hoch-250925/, abgerufen am 4. August 2026 Boston Consulting Group (2026). Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz: Chancen der Circular Frankfurter Allgemeine Zeitung. Studie zur Circular Economy – Economy für die deutsche Industrie. https://bdi.eu/media/ Milliardenpotential für die deutsche Wirtschaft. 05.05.2026. pages/specials/industry-spotlight-circular-economy-studie/ https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kreislaufwirtschaft- f9ba7d99d4-1777457891/26-04-28-circular-economy_bcg- milliardenpotential-fuer-die-deutsche-industrie-200793789. bdi_de_langversion-studie.pdf (abgerufen am 26.05.2026) html (abgerufen am 25.06.2026) Circle Economy (2026). The Circularity Gap Report 2026: The Gabler Wirtschaftslexikon. Was ist „Einhorn“?. Revision vom Value Gap. https://ce-assets.prod.circularity-gap.world/The_ 08.01.2026. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ Circularity_Gap_Report_2026_2_d1456df48b.pdf einhorn-119178/version-368879 (abgerufen am (abgerufen am 05.06.2026) 05.06.2026) Circle Economy (2025). The circularity gap report 2025. https:// Globalization Partners. Das Tal des Todes für Startups: Sieben cgr-reports.s3.eu-west-1.amazonaws.com/cgr-2025- einfache Schritte zum Erfolg. Revision vom 01.05.2026. 6f75f118/CGR+Global+2025+-+Report.pdf (abgerufen am https://www.globalization-partners.com/de/blog/3-steps- 24.04.2026) to-help-your-startup-break-through-death-valley/ (abgerufen am 05.06.2026) Circle Economy (2025). The Circularity Gap Report Finance: Tracking capital flows in the circular economy. https:// Göpel, Maja (2025). Werte: Ein Kompass für die Zukunft. ce-assets.prod.circularity-gap.world/CGR_ Brandstätter Verlag. Wien Finance_9517cc95b5.pdf (abgerufen am 30.04.2026) Greiner AG (2024). Global Recycling Day: Für Greiner liegt die Conversio Market & Strategy GmbH (2024). Kurzfassung der Zukunft in der Kreislaufwirtschaft. https://www.greiner. Conversio Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland com/presse/detail/global-recycling-day-fuer-greiner-liegt- 2023 – Zahlen und Fakten zum Lebensweg von die-zukunft-in-der-kreislaufwirtschaft/, abgerufen am 4. Kunststoffen“. https://plasticseurope.org/de/wp-content/ August 2026. uploads/sites/3/2024/11/Kurzfassung_ Stoffstrombild_2023.pdf (abgerufen am 30.04.2026) Greiner AG (2024b). Deutsche Topmanagerin Saori Dubourg wird neue CEO der Greiner AG. https://www.greiner.com/ Deloitte & Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). presse/detail/deutsche-topmanagerin-saori-dubourg-wird- Zirkuläre Wirtschaft – Herausforderungen und Chancen für neue-ceo-der-greiner-ag/, abgerufen am 4. August 2026 den Standort Deutschland. 2021. https://www.deloitte.com/ content/dam/assets-zone2/de/de/docs/about/2024/ Plastics Europe (2026). 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Nachhaltigkeitsbericht 2025, Seite 7, ambitious EU Circular Economy Act“. https://www. https://gruppe.schwarz/asset/download/59222/file/ ellenmacarthurfoundation.org/businesses-call-for-an- Nachhaltigkeitsbericht_GJ2025_Unternehmen-der- ambitious-eu-circular-economy-act, abgerufen am 4. August Schwarz-Gruppe.pdf?version=6, abgerufen am 4. August 2026 2026 European Commission (2020). Circular Economy Action Plan – UNEP (2024). Global Resources Outlook 2024: Bend the Trend for a cleaner and more competitive Europe. https:// – Pathways to a liveable planet as resource use spikes. circolareconomy.eu/wp-content/uploads/2025/12/Circular- https://www.unep.org/resources/Global-Resource- economy-action-plan-for-Europe_En.pdf (abgerufen am Outlook-2024 (abgerufen am 06.05.2026) 21.05.2026) European Investment Bank (2026). Transitioning to a Circular Economy: Closing the Investment Gap in Europe, S.8. https://www.eib.org/files/publications/20250063-210426- transitioning-to-a-circular-economy-en.pdf (abgerufen am 24.04.2026) Eurostat. Circular material use rate. 24.11.2025. https://ec. europa.eu/eurostat/databrowser/view/env_ac_cur/default/ table?lang=en (abgerufen am 20.05.2026) EUWID (2026). Die zehn größten Entsorgungsunternehmen der Welt – Veolia bleibt führend, abgerufen am 4. August 2026

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