Status: ENTWURF, Stand 2026-08-08. Gehört zu coaching-agent-draft.md (Beschluss D vom 2026-08-08,
sources/decisions/2026-08-08-coaching-agent-structure-decision.md). Der Agent existiert nicht; diese Vorlage ist noch nie im Betrieb benutzt worden.
Nach jeder Sitzung ein Eintrag. Ohne Eintrag gilt die Sitzung als unabgeschlossen. Fragen im Wortlaut, nicht paraphrasiert — eine paraphrasierte Frage verliert genau die Präsupposition, um derentwillen der Eintrag geschrieben wird. Widersprüche zu früheren Einträgen bleiben stehen und werden nicht nachträglich geglättet; jeder Eintrag ist revidierbar, aber nur durch einen neuen Eintrag, nicht durch Überschreiben.
Vorlage
## [YYYY-MM-DD] <Thema in wenigen Worten>
**Datum:** YYYY-MM-DD
**Thema:** Worum ging es, in einem Satz, in der Formulierung der befragten
Seite — nicht in der des Agenten.
**Verwendete Schule(n) und tatsächlich gestellte Fragen:**
Pro Schule ein Block. Fragen im Wortlaut. Bei Schulwechsel: was den Wechsel
ausgelöst hat. Belegstufe der Schule mit angeben (primärquellenbelegt /
sekundär / paraphrasiert).
- *<Schule>* (Belegstufe: …)
- „<Frage im Wortlaut>"
- „<Frage im Wortlaut>"
- Wechsel hierher, weil: …
**Was wurde freigelegt:** Was in der Sitzung sichtbar geworden ist, das
vorher nicht sichtbar war. Nur Befunde, keine Empfehlungen.
**Welchen Bias hat das Frageformat selbst eingebracht:** Was der Agent
mitgebracht hat, nicht was er gefunden hat. Mindestens: welche Ontologie die
verwendete Schule der befragten Seite unterstellt hat, was sie strukturell
nicht fragen kann, und welche Wirkung die erste Frage der Sitzung auf den
weiteren Verlauf hatte.
**Was bleibt ungeprüft:** Was in dieser Sitzung nicht gefragt wurde und
warum. Aus welcher Schule käme die Frage, die gefehlt hat.Beispieleintrag (fiktiv, zur Illustration der Vorlage)
Dies ist ein Beispiel, kein Protokoll. Die Sitzung hat nicht stattgefunden; der Agent ist nicht implementiert. Personen, Vorhaben und Antworten sind erfunden und dürfen nicht als Aussage über SINE gelesen werden. ⟨Inference: Vollständig konstruiert, um die Feldstruktur lesbar zu machen.⟩
[2026-08-08] Ob ein neues Datenprojekt begonnen wird
Datum: 2026-08-08
Thema: „Wir überlegen, ein zweites Datenprojekt mit einem Industriepartner aufzusetzen, und kommen seit Wochen nicht zu einer Entscheidung.”
Verwendete Schule(n) und tatsächlich gestellte Fragen:
-
Cynefin (Belegstufe: primärquellenbelegt — Kurtz & Snowden 2003, Snowden & Boone 2007) — als Diagnoseschicht vor der Fragewahl.
- „Ist das wirklich noch einfach, oder haben wir nur aufgehört hinzusehen?”
- „Was wäre ein sicherer Weg, es herauszufinden — statt: was ist die richtige Antwort?”
- Ergebnis der Diagnose: eher komplex als kompliziert. Damit war eine GROW-Zielfrage am Sitzungsanfang ausgeschlossen; sie hätte ein artikulierbares Ziel vorausgesetzt, das hier nicht vorlag.
-
zirkuläres Fragen (Belegstufe: primärquellenbelegt — Tomm 1987 Teil I+II)
- „Wer bei Ihnen würde am ehesten sagen, die Entscheidung sei längst gefallen — und woran würde man das merken?”
- „Wenn Ihre Partnerorganisation in einem halben Jahr abspränge, was würde das über die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Vorstand aussagen?”
- Wechsel hierher, weil die Cynefin-Diagnose eine Frageform verlangte, die Unterschiede erzeugt statt Eigenschaften erhebt.
-
Bioregioning (Belegstufe: Primärtext ausgewertet, aber ohne auffindbare unabhängige externe Kritik)
- „Verbreitert oder verengt dieses Vorhaben den Raum der Zukünfte, die Ihnen in fünf Jahren noch offenstehen?”
- „Wer trägt die Kosten dieser Option, die nicht mit am Tisch sitzt?”
- Wechsel hierher, weil die zirkulären Fragen konsequent im Beziehungssystem blieben und die Zeitachse gar nicht vorkam.
Was wurde freigelegt: Die Blockade lag nicht bei der Entscheidung selbst, sondern bei einer ungeklärten Vorfrage: Es gab zwei unvereinbare Lesarten davon, wofür das erste Projekt eigentlich der Beweis war. Die Frage nach den ausgeschlossenen Zukünften machte außerdem sichtbar, dass eine im Vorjahr getroffene Formatentscheidung den Kreis möglicher Partner bereits so verengt hatte, dass die jetzt diskutierte Wahl nur noch scheinbar offen war. Die Divergenz zwischen der zirkulären und der Bioregioning-Linse blieb stehen und wurde nicht aufgelöst: Erstere verortete das Problem im Beziehungssystem, Letztere in einer Pfadfestlegung, die von Personen unabhängig ist.
Welchen Bias hat das Frageformat selbst eingebracht: Cynefin hat die Situation als Diagnoseproblem gerahmt, bevor irgendetwas inhaltlich gefragt wurde — die naturalistische Erkenntnishaltung, die Jackson an Cynefin kritisiert, ist damit unausgesprochen mitgewandert. Die zirkulären Fragen haben eine Ontologie unterstellt, in der niemand feste Eigenschaften hat und alles Beziehung ist; das hat individuelle Verantwortlichkeit strukturell unsichtbar gemacht. Dark Matter Labs hat „durable, shared, viable” als Prüfmaßstab eingebracht — eine ethisch-politische Setzung, die als analytisches Prüfergebnis auftritt. Die erste Frage der Sitzung (die Klippen-Frage) hat den ganzen weiteren Verlauf auf Selbsttäuschung als Thema hin geöffnet; eine andere Eröffnung hätte plausibel eine andere Sitzung erzeugt.
Was bleibt ungeprüft: Nicht gefragt wurde nach dem Gelingen — keine appreciative Frage, kein „was funktioniert hier bereits”. Damit ist offen, ob es tragfähige Vorerfahrungen gibt, an die anzuknüpfen wäre. Ebenfalls nicht gefragt wurde nach dem Körperempfinden der Beteiligten (Focusing) und nach der inneren Verfasstheit der fragenden Person selbst — Frage 5 der erweiterten Trias fiel aus Zeitgründen aus, was den ganzen Sitzungsverlauf als Beobachtung ohne Beobachterreflexion stehen lässt. Die Frage, die gefehlt hat, käme am ehesten aus Warm Data: „Was ist hier eigentlich am Weitergehen?” — sie hätte den Entscheidungsrahmen selbst als fragwürdig behandelt statt ihn zu bedienen.